IMMH
Bianca Floss restauriert marine Malerei auf Deck 8 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg am Europäischen Tag der Restaurierung.

2. Oktober 2019

Europäischer Tag der Restaurierung

Am Sonntag den 13. Oktober feiern wir den 2. Europäischen Tag der Restaurierung. Es ist die perfekte Gelegenheit, um die Arbeit von unserer Diplom-Restauratorin Bianca Floss auf Deck 8 näher kennen zu lernen.

Bianca Floss restauriert marine Malerei auf Deck 8 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg am Europäischen Tag der Restaurierung.

Der Europäische Tag der Restaurierung wird seit 2018 von der European Confederation of Conservator-Restorers´ Organistion (ECCO) veranstaltet. In Deutschland übernimmt die Schirmherrschaft der Verband der Restauratoren (VDR). Das Internationale Maritime Museum Hamburg freut sich, diese Aktion zu unterstützen.

Konservierung/Restaurierung

Der Lauf der Zeit hinterlässt immer Spuren. Und zu den Aufgaben eines Museums gehört es, diese Spuren an den Exponaten, die es aufbewahrt, zu studieren, den Zustand zu konservieren und, wenn notwendig, fachgerecht zu restaurieren. Um diese unerlässliche Aufgabe kümmern sich die KonservatorInnen/RestauratorInnen. Im besten Fall bleibt ihre Arbeit am Exponat unsichtbar. Das ist vielleicht der Grund, warum die Öffentlichkeit diese hochspannende Tätigkeit nicht besser kennt. Um das zu ändern, findet der Europäische Tag der Restaurierung 2019 unter den Motto „Gesichert: die Spuren der Zeit“ statt.

Das gläserne Atelier von Bianca Floss im Maritimen Museum

Im IMMH befindet sich das Atelier für Konservierung/Restaurierung nicht wie üblich hinter den Kulissen, sondern direkt in der Ausstellung auf Deck 8. Dort arbeitet die Diplom-Restauratorin Bianca Floss hinter gläsernen Wänden. Bei ihr sind unsere Schätze der Marinemalerei in den besten Händen. Darüber hinaus ist sie jederzeit bereit, den Besuchern des Museums zu erklären, was man tun muss, um Kunstwerke für zukünftige Generationen zu erhalten. Frau Floss hat für Sonntag den 13. Oktober ein Sonderprogramm im Museum organisiert.

Der Europäische Tag der Restaurierung im Maritimen Museum

Bianca Floss wird an diesem Tag aktuelle Restaurierungsprojekte vorstellen und wird allen Teilnehmern einen Einblick in den Beruf des Restaurators mit seinem breitgefächerten Aufgabenfeld geben. Die Veranstaltung wird in zwei Varianten angeboten:

Offenes Atelier

Zwischen 11:00 und 17:00 Uhr ist das Atelier auf Deck 8 für alle Besucher des Internationalen Maritimen Museums geöffnet.

Sonderführungen Konservierung/Restaurierung:

Um 12:00 und 14:00 Uhr.

Treffpunkt: Vor dem Eingang des Museums in der Passage.

Die Führungen sind kostenfrei und nur mit Voranmeldung möglich. Der Besuch des Museums ist bei der Führung nicht inbegriffen.

Voranmeldungen unter  

Bianca Floss und das Internationale Maritime Museum Hamburg freuen sich auf Ihren Besuch!

Die Surfbretter Haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer.

19. September 2019

Volles Risiko: Die Flucht aus der DDR über die Ostsee

Im Rahmen der Sonderausstellung “Flucht übers Meer” und zum Jubiläum 30 Jahre Mauerfall organisiert das Museum am 17. Oktober eine Sonderveranstaltung zur Flucht aus der DDR über die Ostsee.

Die Surfbretter Haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer.
Die Surfbretter haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. (Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer)

Die Veranstaltung

Podiumsgespräch mit Zeitzeugen und Dokumentarfilm
Am Donnerstag den 17. Oktober um 18:30
Als Zeitzeugen sprechen Peter Seidenberg und Dr. Peter Döbler.
Moderation: Dr. Erik Lindner (Kurator der Ausstellung, Berlin)
Einführung: Dr. Volker Höffer (Historiker, Rostock)

Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Wir bitten um Anmeldung unter:
a.moritz@imm-hamburg.de

Um 17.30 Uhr haben Sie zudem die Möglichkeit, an einer Kuratorenführung durch die Sonderausstellung teilzunehmen.

Die BILD Zeitung berichtete 1971 über Dr. Peter Döblers Flucht aus der DDR. Dr. Döbler wird am 17. September im Museum seine Geschichte persönlich erzählen.
Die BILD Zeitung berichtete 1971 über Dr. Peter Döblers Flucht aus der DDR. Dr. Döbler wird am 17. Oktober im Museum seine Geschichte persönlich erzählen.

Die Flucht aus der DDR über die Ostsee

Boltenhagen, Kühlungsborn, Warnemünde, der Darß und Hiddensee sind heute wie zu DDR-Zeiten beliebte Urlaubsorte an der Ostseeküste. Vor 1989 jedoch stehen hier Wachtürme mit Scheinwerfern und Radargeräte. Soldaten patrouillieren ohne Unterlass an den Stränden. Auf See riegeln Schnellboote die „nasse Grenze“ ab. Schließlich ist die DDR eine Diktatur, die seit August 1961 ihre Einwohner mit immensem Aufwand am Verlassen des Landes hindert. West-Berlin ist seitdem von der Mauer abgeriegelt. Genauso besteht an der Grenze zur Bundesrepublik eine furchteinflößende Barriere aus Stacheldraht, Zäunen und Minen. Auch dort wird rücksichtslos auf Flüchtende geschossen.

Die 378 Kilometer lange DDR-Seegrenze im Norden wirkt im Vergleich dazu wie ein Schlupfloch. Die Freiheit ist in Sichtweite, denn zwischen dem dänischen Feuerschiff „Gedser Rev“ und der Halbinsel Darß liegen nur etwa 20 km offene See. Von Kühlungsborn über die Lübecker Bucht nach Dahme oder nach Fehmarn ist es etwa doppelt so weit. Diese Distanzen erscheinen auf den ersten Blick verlockend gering. Doch Wind und Wellen, Strömungen, und Kälte machen diese Fluchtrouten zu einem lebensgefährlichen Wagnis.

Etwa 5.600 DDR-Bürger unternehmen einen Fluchtversuch übers Meer. Sie wollen in Faltbooten paddelnd, segelnd oder gar schwimmend in den Westen. Es sind meist sportliche Männer, die einzeln oder zu zweit das volle Risiko eingehen. In seltenen Fällen flüchten ganze Familien.

Während es 913 Menschen auf westliche Schiffe, nach Holstein und Dänemark schaffen, gibt es mehr als 180 Opfer. Die Seegrenze ist eine tödliche Barriere: Von 1961 bis in den Sommer 1989 sind hier mehr Tote zu beklagen, als bei Fluchtversuchen am „Eisernen Vorhang“ der innerdeutschen Landgrenze oder als an der Berliner Mauer. Vier von fünf Fluchtversuchen verhindern die DDR-Grenzer, was lange Haftstrafen für die Gescheiterten zur Konsequenz hat. Erst als die wirtschaftlich ausgezehrte und politisch vollends korrumpierte DDR im Herbst 1989 kollabiert und das menschenverachtende Regime von innen heraus zu Fall gebracht wird, endet die Flucht über die Ostsee.

30 Jahre nach dem Mauerfall erörtern Zeitzeugen und Experten im Rahmen der Ausstellung „Flucht übers Meer – von Troja bis Lampedusa“ sowohl Motive als auch staatliche Gegenmaßnahmen, Gefahren und Schicksale der maritimen DDR-Flucht. Zu Gast ist die Seglerlegende Peter Seidenberg, der 1963 mit einem Freund von Warnemünde nach Gedser paddelte und heute in Portsmouth (Rhode Island, USA) lebt. Flankiert wird er von dem Arzt Peter Döbler, der 1971 in über 24 Stunden von Kühlungsborn bis Fehmarn schwamm. Zudem werden Szenen aus einem Dokumentarfilm des dänischen Journalisten Jesper Clemmensen über die Flucht der Schweriner Familie Sender gezeigt, die 1977 in einer Tragödie endete.

Portrait von Dr. Erik Lindner, Historiker und Kurator der ausstellung "Flucht übers Meer - von Troja nach Lampedusa".
Text: Dr. Erik Lindner, Historiker und Kurator.