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7. September 2021

150 Jahre Hamburg Süd, die Sonderausstellung

Die Sonderausstellung „Hamburg Süd – 150 Jahre auf den Weltmeeren“ wird genau am 150. Gründungstag, nämlich am Donnerstag, 4. November 2021 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg eröffnet. Die ereignisvolle und spannende Geschichte der Hamburger Reederei steht beispielhaft für alle Entwicklungen der modernen Handelsmarine. Das Maritime Museum präsentiert die Geschichte der Hamburg Süd nach Aufarbeitung des historischen Archivs der Reederei, Für die Ausstellung sind einzigartige Exponate aus der ganzen Welt ins Maritime Museum gereist. Das Projekt wird gefördert von der Dr. August Oetker KG. 

Plakat der Sonderausstellung "Hamburg Süd - 150 Jahre auf den Weltmeeren" im Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

Die Geschichte der Hamburg Süd 

Hier wird die Erfolgsgeschichte der Hamburg Süd als zweitgrößte deutsche Linienreederei von ihrer Gründung am 4. November 1871 bis zur Gegenwart erzählt. Die Reederei hat globale maritime Geschichte geschrieben. In der Ausstellung werden die wichtigsten internationalen Ereignisse der letzte 150 Jahre betrachtet. Hamburg Süd brachte eine kommerzielle und menschliche Verbindung zwischen Europa und Südamerika auf den Weg, die bis heute Bestand hat. Die Einflussbereiche und die Zweige der Logistikkette, die die Reederei bedient, wurden über Jahrzehnte kontinuierlich erweitert. In der Passagierschifffahrt war die Hamburg Süd Protagonistin der Auswanderungswellen von Europa nach Südamerika über die Südatlantik Linie während des Goldenen Zeitalters der Ozeanriesen. 

Durch die beiden Weltkriege gab es zwei Totalverluste ihrer Flotte, mit einem jeweils gelungenen Wiederaufbau. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besaß die Hamburg Süd mit Schiffen wie der „Cap San Diego“ – heute als Museumsschiff im Hamburger Hafen erhalten – eine hochentwickelte Flotte an Stückgutfrachtern, bevor später erfolgreich auf Containerschifffahrt umgestellt wurde. 

Die Geschichte der Hamburg Süd ist aber damit noch lange nicht zu Ende. In den letzten 20 Jahren zählte die Reederei nicht nur aufgrund von Akquisitionen, wie z. B. der brasilianischen Aliança, den Liniendiensten von Kien Hung aus Taiwan oder den Linienaktivitäten von Costa Container Lines, zu den zehn größten Container-Reedereien der Welt, sondern auch durch gezieltes, organisches Wachstum. Die Hamburg Süd gilt als einer der führenden Anbieter in den Nord-Süd-Verkehren mit einem ganz besonderen Know-how im Transport empfindlicher Güter, speziell im Bereich der Kühlladung. Im Jahr 1936 beteiligte sich das Unternehmen Dr. August Oetker mit einem Aktienpaket von 25 Prozent an der Hamburg Süd, 1955 erfolgte die vollständige Übernahme durch die Oetker-Gruppe. Ende 2017 dann der Verkauf an die dänische A.P. Møller – Mærsk Gruppe. 

Werftmodelle von Schiffen aus 150 Jahren Hamburg Süd warten im Internationalen Maritimen Museum Hamburg darauf, in der kommenden Sonderausstellung gezeigt zu werden.
Werftmodelle von Schiffen aus 150 Jahren Hamburg Süd warten im Internationalen Maritimen Museum Hamburg darauf, in der kommenden Sonderausstellung gezeigt zu werden.

Eine Sonderausstellung der Superlative 

Die Sonderausstellung „Hamburg Süd – 150 Jahre auf den Weltmeeren“ erzählt die Geschichte anhand einer Vielzahl von einzigartigen Exponaten, die teilweise aus der ganzen Welt ins Maritime Museum verschifft wurden. Die Exponate werden im Rahmen einer spektakulären Ausstellungsarchitektur präsentiert, um das 150-jährige Jubiläum der Reederei würdig zu feiern. 

Das Team des Museums hat ein Projekt vollendet, auf das wir alle stolz sein können. Wir können es kaum abwarten, es unseren Museumsbesuchern zu präsentieren. Die Bandbreite der Exponate reicht von der Gründungsurkunde der Hamburg Süd, über den Sondervertrag mit dem brasilianischen Kaiser Dom Pedro II aus dem Jahr 1888 bis hin zu Plakaten der unterschiedlichsten Passagierschiffsreisen aus vier Jahrzehnten. Präsentiert werden außerdem bisher nie öffentlich gezeigte Gemälde, auch von den ersten Schiffen der Hamburg Süd aus dem Jahr 1873, sowie Fotos und Schiffsmodelle der unterschiedlichen Epochen. Angereichert werden die Exponate u.a. durch Fotoalben mit Reiseerzählungen verschiedener Passagiere und Zeitzeugen, Audio- und Videomaterial. 

Pünktlich zum Firmenjubiläum und zur Ausstellungseröffnung erscheint im Koehler Verlag die Publikation „Hamburg Süd – 150 Jahre auf den Weltmeeren / Die Geschichte einer großen Reederei“ für alle, die sich eingehender mit der Geschichte der Reederei befassen möchten. Wir arbeiten zudem daran, ein ausführliches Begleitprogramm aus Führungen und Veranstaltungen zu organisieren. 

Zehn Monate wird die Ausstellung auf Deck 1 im Internationalen Maritimen Museum gezeigt. Im Anschluss geht die Ausstellung auf die Reise nach Südamerika. Hier wird sie an geschichtsträchtigen Orten der Hamburg Süd in Argentinien und Brasilien zu sehen sein. 

Die Historiker des Internationalen Maritimen Museums Hamburg sorgen für Ordnung in der umfangreichen Flotte von Miniaturen im Maßstab 1:250 von Schiffen aus 150 Jahren Hamburg Süd. Diese kleinen Schiffe werden in einem der Exponate der Sonderausstellung die Geschichte der Reederei anschaulich erklären.
Die Historiker des Internationalen Maritimen Museums Hamburg sorgen für Ordnung in der umfangreichen Flotte von Miniaturen im Maßstab 1:250 von Schiffen aus 150 Jahren Hamburg Süd. Diese kleinen Schiffe werden in einem der Exponate der Sonderausstellung die Geschichte der Reederei anschaulich erklären.

Die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg 

Die Ausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der Hamburg Süd ist der vorläufige Höhepunkt einer umfangreichen Zusammenarbeit zwischen der Reederei und dem Museum. 2019 wurde dafür eine Kooperation mit der Hamburger Reederei beschlossen. Ziel ist es, die Geschichte in Form einer Dauerausstellung der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Die Finanzierung der mehrjährigen Vorarbeiten und der Ausstellungen ist durch eine bedeutende Spende der Familie Oetker sichergestellt, in deren Eigentum sich die Hamburg Süd über acht Jahrzehnte befand. Schon Ende 2019 hat die Zusammenarbeit der Partner sichtbare Spuren hinterlassen. Damals gingen zwei „Schwergewichte“ der historischen Schiffsmodellsammlung der Hamburg Süd im Museum vor Anker. Die „Cap Arcona“ aus dem Jahr 1927 zählt ebenso wie die „Cap Polonio“ aus dem Jahr 1914 zu den wichtigsten historischen Schiffsmodellen weltweit. Für den Einzug der außergewöhnlichen Exponate in das Maritime Museum waren wegen einer Größe von 5,40 und 4,00 Metern Länge aufwendige Kranarbeiten über die Außenfassade des Museums erforderlich. 

Neu hinzugekommen ist auch das Original-Werftmodell der „San Nicolas“ von Blohm & Voss aus dem Jahr 1897, das wie die anderen Modelle auf Deck 6 die Besucher fasziniert. Dort befindet sich ab Ende September auch eine Installation, die die Geschichte der Kühlschifffahrt anhand unterschiedlicher Schiffsmodelle erklärt. Die Installation entstand ebenfalls im Zuge dieser Zusammenarbeit zwischen Museum und Reederei. 


Die Sonderausstellung „Hamburg Süd – 150 Jahre auf den Weltmeeren“ wird vom 4. November 2021 bis zum 11. September 2022 auf Deck 1 des Internationalen Maritimen Museum gezeigt. Der Besuch ist im Eintrittspreis des Museums enthalten.

26. August 2021

Marineschiffspost im Online Archiv

Ab sofort können Interessierte in über 800 Datensätze und Digitalisaten im Bestand “Belege der Marineschiffspost” im Online Archiv des Museums stöbern. Der Schwerpunkt in diesem Bestand liegt auf der Stempelung. Hier spielen unter anderem die Stempelform und -art sowie die Farbe, die Datierung und der Text des Stempels eine große Rolle.

Ausschnitt einer Postkarte von 1916 von der SMS Stuttgart aus unserer Sammlung von Marineschiffspost.
Ausschnitt einer Postkarte von 1916 von der SMS Stuttgart aus unserer Sammlung von Marineschiffspost.

Solange es Schiffe gibt, werden sie zur Übermittlung von Nachrichten auf allen Meeren, Seen und Flüssen genutzt. Neben mündlichen Nachrichten dienten – vor der Einführung von Telegraphie und Funk – Briefe und Postkarten, um Informationen weiterzuleiten bzw. auszutauschen. Durch die technische und wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert nahm der Schiffsverkehr mit „Übersee“ sprunghaft zu. Benötigten Segelschiffe von Europa nach Nordamerika in Abhängigkeit vom Wind drei bis sechs Wochen, brauchten die ersten Dampfschiffe in den 1840er und 50er Jahren nur zehn bis elf Tage. Die Laufzeiten wurden immer verlässlicher, so dass Linienrouten mit festen Fahrzeiten eingeführt werden konnten.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden sowohl auf größeren Passagier-, als auch auf Kriegsschiffen eigene Bordpostämter realisiert. Diese dienten zum einen den Besatzungen und Passagieren, zum anderen wurden vom Postpersonal Vorsortierungen durchgeführt, die zu Laufzeitbeschleunigungen verhalfen. Mit der Einführung des Luftverkehrs nahm die Bedeutung der Schiffspost kontinuierliche ab, welche heute kaum noch wirtschaftliche Verwendung findet.

Marineschiffspost: Postabwicklung der Kaiserlichen Marine, Reichs- und Kriegsmarine

Wichtige Briefe wurden Anfang des 19. Jahrhunderts dupliziert und unterschiedlichen Schiffen mitgegeben. Falls ein Schiff durch Sturm oder Kriegseinwirkung verloren ging, gelangte das Duplikat mit dem anderen Schiff an seinen Empfänger.

In der Kaiserlichen Marine wurde ab 1895 die Beförderung von Schiffspost auf deutschen Kriegsschiffen, die sich im Ausland befanden, eingeführt. Die Matrosen an Bord brauchten nur Inlandsporto zu bezahlen. Außerdem wurde diese Schiffspost in den Häfen bevorzugt abgewickelt. Bei Manövern wurde die Übergabe der Post auf hoher See durch kleine schnelle Torpedoboote während der Fahrt durchgeführt.

Beispiele von Marineschiffspost:

„Weltpostverein“

Marineschiffspost aus der Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Die folgende Karte wurde trotz Feldpostperiode frankiert. Sie stammt vom Norddeutschen Lloyd Dampfer „Gera“, welches als Lazarettschiff im Chinafeldzug eingesetzt wurde. Die Karte wurde aus Nagasaki, Japan geschrieben (im Online Archiv unter MSP-8 aufrufbar).

„Wohlfahrtskarte – Für den Marinefonds der Nationalstiftung“

Marineschiffspost aus der Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Werter Herr Uhles! Habe Ihr [Liebesgeschenk] erhalten und sage Ihnen meinen besten Dank dafür. Fr. Simonis Ob.Lt.Mt. Vorpostenboot „Roche“, Torpedoboot T105“, Kaiserliche Deutsche Marine-Schiffspost Nr. 313, 13.4.1916 (im Online Archiv unter MSP-5 aufrufbar).

Ship to Shore: Deutscher Katapultflug

Marineschiffspost aus der Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Der Dampfer „Bremen“ des Norddeutschen Lloyd war mit einem Katapult ausgestattet, von denen Heinkel Schwimmflugzeuge starten konnten. Die Flugzeuge beförderten Post ca. 200 Meilen vom Schiff zu dem Ankunftshafen. Die Postzustellung wurde dadurch um einen ganzen Tag beschleunigt (in Online Archiv unter MSP-407 aufrufbar)

Auf Deck 4 des Museums ist eine Ausstellung über die Marineschiffspost zu sehen.