IMMH
Ein älterer Seemann baut zusammen mit seiner Familie ein Schiffsmodell. Eine Radierung aus dem späten 19. Jahrhundert aus den digitalisierten Archiven des Interantionalen Maritimen Museums Hamburg. Wäre er etwas moderner, wäre er vielleicht ein Teilnehmer der Internationalen Schiffsmodellbautage in Hamburg 2022 gewesen.

13. April 2022

Die Internationale Schiffsmodellbautage 2022!

Die Internationalen Schiffsmodellbautage 2022 Hamburg finden vom 16. bis 18. September 2022 im Internationales Maritimen Museum Hamburg statt. Merkt euch den Termin für diese Veranstaltung vor, bei der eine spektakuläre Vielfalt an künstlerischen Modellbau-Talenten präsentiert wird!

Information in English: International Shipmodelling Days in Hamburg
Ein älterer Seemann baut zusammen mit seiner Familie ein Schiffsmodell. Eine Radierung aus dem späten 19. Jahrhundert aus den digitalisierten Archiven des Interantionalen Maritimen Museums Hamburg. Wäre er etwas moderner, wäre er vielleicht ein Teilnehmer der Internationalen Schiffsmodellbautage 2022 gewesen.
Xylographie aus dem Online Archiv des Museums. ( Quelle )

Das Internationale Maritime Museum Hamburg (IMMH) präsentiert vom 16. bis zum 18. September die Internationalen Schiffsmodellbautage 2022. Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen und das Interesse der Modellbauer, ihre Werke zu zeigen, ist überwältigend. 68 Ausstellerinnen und Aussteller – Clubs wie Einzelaussteller – werden ihre Modelle in diesem Jahr präsentieren. Bei den ersten Internationalen Schiffsmodellbautagen im September 2018 waren es noch 45 Vereine und Einzelaussteller, die teilnahmen.

Die Schiffsmodellbautage 2022 – So vielfältig wie die maritime Geschichte selbst.

Alle Sparten des Schiffsmodellbaus sind vertreten, vom historischen Schiff aus Holz über ferngesteuerte Modelle, von Kartonmodellen bis zu Schiffsmodellen aus Plastik oder Gießharz. Auch Multimedia-Modelle und Schiffsmodelle, die im hochmodernen 3-D-Druckverfahren entstanden sind, finden sich. Insgesamt werden mehr als 1000 Schiffsmodelle erwartet. Darunter sind Großmodelle von mehr als 3,50 Meter Länge und filigrane Miniaturen, die kaum mehr als einen Zentimeter messen. Bei den Maßstäben geht es von 1:10 bis 1:1250. Erstmals sind auch ausgezeichnet gebaute Buddelschiffe zu sehen. Im Foyer des Museums zeigt eine Gruppe von Modellbauern ihr Können mit ferngesteuerten Fahrmodellen im Maßstab 1:200 in einem eigens dafür konstruierten Becken. 

Die Modellbautage tragen ihr internationales Prädikat zu Recht. Neben zahlreichen Ausstellerinnen und Ausstellern aus Deutschland sind Modellbauerinnen und Modellbauer aus Österreich, den Niederlanden, aus Großbritannien, Italien, Frankreich, Griechenland und der Ukraine vertreten.

"Der Aufbruch" von Roland Klinger, im Museum auf Deck 2. Internationale Schiffsmodellbautage Hamburg Internationales Maritimes Museum Hamburg Modellbau Schiff Schifffahrt Maritime Geschichte Miniatur Ausstellung Segelschiff
„Der Aufbruch“ von Roland Klinger, Diorama im Maßstab 1:1250 im Museum auf Deck 2.

Aufgrund des sehr großen Interesses präsentieren sich die Modellbautage um einen Tag verlängert. Und statt der vier Decks, auf denen vor vier Jahren die Modelle zu sehen waren, sind es in diesem Jahr sieben Decks. Neben der Vielzahl an Schiffsmodellen unterschiedlichster Sparten wird die Ausstellung durch Vorführungen von 3-D-Druckern sowie Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten des Schiffsmodellbaus an den drei Tagen ergänzt.

Die Internationalen Schiffsmodellbautage 2022 sind eine ausgezeichnete Gelegenheit, das faszinierende Hobby Modellbau in all seinen Facetten kennen zu lernen und mit echten Könnern ins Gespräch zu kommen. Die Modellbauer selbst nutzen die Gelegenheit gern, ihre Netzwerke zu vertiefen, auszubauen und sich fachlich auszutauschen.  

Die Vitrine auf Deck 2 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg, die bereits Objekte der "Arqueonautas Studiensammlung" präsentiert. Vorne: Chinesisches Porzellan (Ming-Dynastie) aus dem Indienhandel. Es stammt vom Wrack der portugiesischen Karacke „Espardarte“, untergegangen 1558 vor Mosambik.

31. März 2022

Die Arqueonautas Studiensammlung im Maritimen Museum

Das Internationale Maritime Museum Hamburg hat die „Arqueonautas Studiensammlung“ als Schenkung erhalten. Es handelt sich dabei um rund 2300 Objekte aus zahlreichen Schiffswracks, die Einblicke in die Entdeckungs- und Handelsfahrten des 16.-19. Jahrhunderts nach Afrika und Asien geben. Damit wird dieses verborgenes Kulturerbe für die Nachwelt erlebbar und unsere Dauerausstellung bereichert.

Die Vitrine auf Deck 2 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg, die Bereits Objekte der "Arqueonautas Studiensammlung" präsentiert. Vorne: Chinesisches Porzellan (Ming-Dynastie) aus dem Indienhandel. Es stammt vom Wrack der portugiesischen Karacke „Espardarte“, untergegangen 1558 vor Mosambik.
Die Vitrine auf Deck 2 die bereits Objekte der „Arqueonautas Studiensammlung“ präsentiert. Vorne: Chinesisches Porzellan (Ming-Dynastie) aus dem Indienhandel. Es stammt vom Wrack der portugiesischen Karacke „Espardarte“, untergegangen 1558 vor Mosambik.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit kühner Seefahrer: Ab sofort finden Besucherinnen und Besucher im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH) eine Vielfalt an Exponaten, geborgen aus historischen Schiffswracks. Die Funde entstammen der „Arqueonautas Studiensammlung“ und wurden dem IMMH kürzlich als Schenkung von der gemeinnützigen „Gesellschaft zur Rettung von Kulturerbe unter Wasser e.V.“ (ASUCH) vermacht. 

Die Sammlung umfasst mehr als 2300 Objekte aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, vorwiegend aus den Seegebieten der Kapverden und Mosambik, darunter Bootsteile, Navigationsgeräte, Münzen, Waffen oder persönliche Gegenstände wie Schmuck. Neben den historischen Artefakten besteht die Schenkung aus einer Vielzahl von Dokumentationen, wissenschaftlichen Texten, Plänen, Artikeln, Fotos und Filmen. 

Objekt der Archeonautas Studiensammlung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg. Messing-Hutplakette eines Tschakkos mit persönlichen Initialen eines ‚Soldaten und dem Wahlspruch des Hosenbandordens „Honi soit qui mal y pense“ (Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt). Es stammt vom Wrack des britischen Ostindienfahrers „Lady Burgess“, gesunken am 20. April 1806 südwestlich von Boa Vista, Kapverdische Inseln.
Fernrohr mit Schutzdeckel, von Bord des britischen Ostindienfahrers „Hartwell“, gesunken im Mai 1787 nahe Boa Vista, Kapverdische Inseln.

Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz, Archäologin, misst den Funden einen hohen Erkenntniswert für die Wissenschaft bei: „Schiffswracks mit ihrer Ladung sind Zeitkapseln, die unter sehr günstigen Erhaltungsbedingungen am Grund der Meere bewahrt blieben. Ihre Entschlüsselung ermöglicht uns eine Zeitreise in die Vergangenheit. Als einmalige Sachzeugnisse geben die erhaltenen Schiffskonstruktionen und das Inventar wichtige Aufschlüsse zum Schiffbau und zum Seehandel sowie zur Entdeckungsgeschichte vergangener Jahrhunderte.“ 

„Rund 30 der neuen Artefakte präsentieren wir bereits auf Deck 2“, so Museumskurator Gerrit Menzel. Er freut sich darauf, die bestehende Ausstellung in Zukunft mit weiteren Artefakten zu ergänzen. „Ich sehe da viele Parallelen zu unseren Exponaten, die wir dadurch den Besucherinnen und Besuchern noch besser näherbringen können“, so Menzel. 

Objekte der Arqueonautas Srudiensammlung im Internationalen Maritimen Museum Hamburg. Fernrohr mit Schutzdeckel, von Bord des britischen Ostindienfahrers „Hartwell“, gesunken im Mai 1787 nahe Boa Vista, Kapverdische Inseln.
Messing-Hutplakette eines Tschakkos mit persönlichen Initialen eines‚ Soldaten und dem Wahlspruch des Hosenbandordens „Honi soit qui mal y pense“ (Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt). Es stammt vom Wrack des britischen Ostindienfahrers „Lady Burgess“, gesunken am 20. April 1806 südwestlich von Boa Vista, Kapverdische Inseln.

Gegründet im Jahr 1995 von Nikolaus Graf von und zu Sandizell, widmete sich Arqueonautas bis zum Jahr 2017 dem Schutz von Unterwasserkulturgut: So betauchte das internationale Expertenteam zahlreiche Schiffswracks des 16.-19. Jahrhunderts und war überwiegend in afrikanischen und asiatischen Gewässern aktiv. Dabei handelte das Team stets mit ausdrücklicher Genehmigung der jeweiligen Regierungen sowie in enger Zusammenarbeit mit renommierten Marinearchäologen wie unter anderem Dr. Margret Rule (Bergung der Mary Rose) und Mensun Bound (Entdeckung von Sir Ernest Henry Shackleton’s Endurance). 

Angesichts der großen logistischen und finanziellen Herausforderung, ihr maritimes Kulturgut zu schützen, konnten viele Staaten keine eigenen Mittel aufbringen und beauftragten Arqueonautas mit der Suche und der in-situ Dokumentation sowie mit der Rettungsbergung bei gefährdeten Schiffswracks. Insgesamt 136 historische Schiffswracks wurden von dem Expeditionsteam entdeckt und dokumentiert. Bei 19 Wracks mussten im Auftrag der jeweiligen Regierung Rettungsbergungen durchgeführt werden, da diese bereits teilweise zerstört und geplündert vorgefunden wurden. Insgesamt haben die Arqueonautas-Teams von diesen Wracks Tausende Artefakte geborgen und wissenschaftlich dokumentiert. Die meisten davon werden in den jeweiligen lokalen Museen der Länder präsentiert. Als bedeutendster Fund gilt das bislang einzig bekannte versilberte Astrolabium. Dieses Navigationsgerät ist im Mariners’ Museum in Virginia, USA, ausgestellt und wurde im Rahmen einer großangelegten Bergungsmission vor den Kapverden entdeckt. 

Nikolaus Graf von und zu Sandizell (rechts) und Peter Tamm bei der Vertragsunterzeichnung zur Schenkung der Arqueonautas Studiensamlung an Das Internationale Maritime Museum Hamburg.
Nikolaus Graf von und zu Sandizell (rechts) und Museumsvorstand Peter Tamm bei der Vertragsunterzeichnung zur Schenkung der Arqueonautas Studiensamlung.

„Wir sind stolz, die umfangreiche Schenkung der ASUCH künftig einem breiten Publikum präsentieren zu können und den Besucherinnen und Besuchern damit weitere Einblicke in eine längst verloren geglaubte Welt zu ermöglichen“, erklärt Museumsvorstand Peter Tamm. 

Auch Nikolaus Graf von und zu Sandizell ist von dieser Lösung begeistert: „Das IMMH hat sich seit Jahrzehnten um den Erhalt maritimen Kulturguts verdient gemacht. Mit seinem Gründer Prof. Peter Tamm verband mich bereits seit unserem ersten Zusammentreffen der Wunsch, die geschichtsträchtigen Exponate für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Dass die Arqueonautas-Funde nun einen würdigen Platz im IMMH gefunden haben, ist darüber hinaus ein Verdienst unseres langjährigen Partners Bolko Graf von Pfeil, der mit seinem weitreichenden maritimen Netzwerk vermittelt hat.“ 

Die umfassende Objekt- und Dokumentationssammlung von Arqueonautas wird derzeit wissenschaftlich aufgearbeitet und künftig auch als Buch erscheinen.