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Die Surfbretter Haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer.

19. September 2019

Volles Risiko: Die Flucht aus der DDR über die Ostsee

Im Rahmen der Sonderausstellung “Flucht übers Meer” und zum Jubiläum 30 Jahre Mauerfall organisiert das Museum am 17. Oktober eine Sonderveranstaltung zur Flucht aus der DDR über die Ostsee.

Die Surfbretter Haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer.
Die Surfbretter haben Karsten Klünder und Dirk Deckert selbst für die Flucht aus der DDR angefertigt. (Bild aus der Sonderausstellung Flucht übers Meer)

Die Veranstaltung

Podiumsgespräch mit Zeitzeugen und Dokumentarfilm
Am Donnerstag den 17. Oktober um 18:30
Als Zeitzeugen sprechen Peter Seidenberg und Dr. Peter Döbler.
Moderation: Dr. Erik Lindner (Kurator der Ausstellung, Berlin)
Einführung: Dr. Volker Höffer (Historiker, Rostock)

Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Wir bitten um Anmeldung unter:
a.moritz@imm-hamburg.de

Um 17.30 Uhr haben Sie zudem die Möglichkeit, an einer Kuratorenführung durch die Sonderausstellung teilzunehmen.

Die BILD Zeitung berichtete 1971 über Dr. Peter Döblers Flucht aus der DDR. Dr. Döbler wird am 17. September im Museum seine Geschichte persönlich erzählen.
Die BILD Zeitung berichtete 1971 über Dr. Peter Döblers Flucht aus der DDR. Dr. Döbler wird am 17. Oktober im Museum seine Geschichte persönlich erzählen.

Die Flucht aus der DDR über die Ostsee

Boltenhagen, Kühlungsborn, Warnemünde, der Darß und Hiddensee sind heute wie zu DDR-Zeiten beliebte Urlaubsorte an der Ostseeküste. Vor 1989 jedoch stehen hier Wachtürme mit Scheinwerfern und Radargeräte. Soldaten patrouillieren ohne Unterlass an den Stränden. Auf See riegeln Schnellboote die „nasse Grenze“ ab. Schließlich ist die DDR eine Diktatur, die seit August 1961 ihre Einwohner mit immensem Aufwand am Verlassen des Landes hindert. West-Berlin ist seitdem von der Mauer abgeriegelt. Genauso besteht an der Grenze zur Bundesrepublik eine furchteinflößende Barriere aus Stacheldraht, Zäunen und Minen. Auch dort wird rücksichtslos auf Flüchtende geschossen.

Die 378 Kilometer lange DDR-Seegrenze im Norden wirkt im Vergleich dazu wie ein Schlupfloch. Die Freiheit ist in Sichtweite, denn zwischen dem dänischen Feuerschiff „Gedser Rev“ und der Halbinsel Darß liegen nur etwa 20 km offene See. Von Kühlungsborn über die Lübecker Bucht nach Dahme oder nach Fehmarn ist es etwa doppelt so weit. Diese Distanzen erscheinen auf den ersten Blick verlockend gering. Doch Wind und Wellen, Strömungen, und Kälte machen diese Fluchtrouten zu einem lebensgefährlichen Wagnis.

Etwa 5.600 DDR-Bürger unternehmen einen Fluchtversuch übers Meer. Sie wollen in Faltbooten paddelnd, segelnd oder gar schwimmend in den Westen. Es sind meist sportliche Männer, die einzeln oder zu zweit das volle Risiko eingehen. In seltenen Fällen flüchten ganze Familien.

Während es 913 Menschen auf westliche Schiffe, nach Holstein und Dänemark schaffen, gibt es mehr als 180 Opfer. Die Seegrenze ist eine tödliche Barriere: Von 1961 bis in den Sommer 1989 sind hier mehr Tote zu beklagen, als bei Fluchtversuchen am „Eisernen Vorhang“ der innerdeutschen Landgrenze oder als an der Berliner Mauer. Vier von fünf Fluchtversuchen verhindern die DDR-Grenzer, was lange Haftstrafen für die Gescheiterten zur Konsequenz hat. Erst als die wirtschaftlich ausgezehrte und politisch vollends korrumpierte DDR im Herbst 1989 kollabiert und das menschenverachtende Regime von innen heraus zu Fall gebracht wird, endet die Flucht über die Ostsee.

30 Jahre nach dem Mauerfall erörtern Zeitzeugen und Experten im Rahmen der Ausstellung „Flucht übers Meer – von Troja bis Lampedusa“ sowohl Motive als auch staatliche Gegenmaßnahmen, Gefahren und Schicksale der maritimen DDR-Flucht. Zu Gast ist die Seglerlegende Peter Seidenberg, der 1963 mit einem Freund von Warnemünde nach Gedser paddelte und heute in Portsmouth (Rhode Island, USA) lebt. Flankiert wird er von dem Arzt Peter Döbler, der 1971 in über 24 Stunden von Kühlungsborn bis Fehmarn schwamm. Zudem werden Szenen aus einem Dokumentarfilm des dänischen Journalisten Jesper Clemmensen über die Flucht der Schweriner Familie Sender gezeigt, die 1977 in einer Tragödie endete.

Portrait von Dr. Erik Lindner, Historiker und Kurator der ausstellung "Flucht übers Meer - von Troja nach Lampedusa".
Text: Dr. Erik Lindner, Historiker und Kurator.

11. September 2019

Die fotorealistischen Modelle von Wolfgang Wurm

Derzeit zeigt das Museum auf Deck 5 eine kleine Ausstellung von besonders detailreichen, fotorealistischen Modelle. Diese wurden uns nach den Internationalen Schiffsmodellbautagen Hamburg im September 2018 durch den Modellbauer zur Ausstellung ausgeliehen.

Detail des fotorealistischen Modell des HMS Hood von Wolfgang Wurm, auf Deck 5 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

Der österreichische Modellbauer Wolfgang Wurm nahm 2018 an den ersten Internationalen Schiffsmodellbautagen Hamburg im Internationalen Maritimen Museum Hamburg teil. Die Besucher der Veranstaltung und die Mitarbeiter des Museums waren gleichermaßen von der hervorragenden Qualität seiner Kriegsschiffe begeistert. Die Modelle, die gerade auf Deck 5 zu bewunder sind, sind eine Leihgabe von Herrn Wurm an das Museum. Wir möchten uns dafür bei Ihm ganz herzlich bedanken!

Die fotorealistischen Modelle von Wolfgang Wurm auf Deck 5 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

Fotorealistischen Modelle?

Das Besondere an dem Werk von Wolfgang Wurm ist sein außergewöhnliches Talent zum „Altern“ der Modelle. Mit den Begriff „Altern“ bezeichnen Modellbauer eine Reihe von Techniken, mit denen die Spuren der Elemente an den Modellen nachgebildet werden. Gealterte Modellschiffe stehen im  Kontrast zu „Werftmodellen“, die eine oft idealisierte Darstellung eines Schiffes im neuwertigen Zustand liefern. Modelle richtig zu altern erfordert nicht nur ein großes handwerkliches Können, sondern auch gründliche Materialkenntnisse. Wolfgang Wurm beherrscht das Altern so perfekt, dass man bei seinen Modellen von „Fotorealismus“ spricht.

Detail des Fotorealistischen Modell des Schalchtschiff Bismarck von Wolfgang Wurm auf Deck 5 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

Die zweiten Internationalen Schiffsmodelbautage Hamburg werden zwischen dem 18. und dem 20. September 2020 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg stattfinden.