IMMH
Johannes Holst: Torpedoboot A 19, Öl auf Leinwand auf Karton, 47 x 37 cm, 1916 © Erbengemeinschaft Johannes Holst, Foto: A. Ginsburg

11. Juni 2020

Torpedoboot A 19 von Johannes Holst

Das Bild “Torpedoboot A 19” von Johannes Holst gehört zu den wenigen Werken des Marinemalers, die einen Bezug zur Militärmarine haben. Weitere Hintergründe dazu erklärt Kuratorin Petra Giebel im folgenden Text.

Torpedoboot A 19 von Johannes Holst, Öl auf Leinwand auf Karton, 47 x 37 cm, 1916 © Erbengemeinschaft Johannes Holst, Foto: A. Ginsburg
Johannes Holst: Torpedoboot A 19, Öl auf Leinwand auf Karton, 47 x 37 cm, 1916 © Erbengemeinschaft Johannes Holst, Foto: A. Ginsburg

In diesem Gemälde hat Holst das Torpedoboot A19 der Kaiserlichen Marine dargestellt. Das Küstentorpedoboot war ein speziell für den Einsatz vor Flandern während des Ersten Weltkriegs konzipierter deutscher Torpedobootstyp, daher wird es auch Flandern-Boot genannt. Es sollte auch als schnelles Minensuchboot und Geleitfahrzeug einsetzbar sein. Gebaut wurde es 1915 in Hamburg bei der AG Vulkan, es sank während eines Gefechtes im März 1918 durch Artilleriefeuer britischer Zerstörer unter Verlust von 19 Mann. Holst platziert es inmitten einer eindrucksvoll aufgewühlten See – der starke seitliche Wind wird auch durch den fast waagerechten Rauch deutlich.

Wie Autor König in seiner Publikation über Holst feststellt*, ergibt die Auswertung des Werkverzeichnisses mit über 1400 Bildern, dass Gemälde mit Kriegsschiffen weniger als ein Prozent von Holsts Werk ausmachen und dass die Kriegsschiffe dann jeweils alleine im Fokus des Gemäldes stehen und nicht in unmittelbare Kriegsgeschehnisse verwickelt sind. Hiermit steht Holst im Gegensatz zu anderen Marinemalern seiner Zeit wie Hans Bohrdt, Willy Stöwer oder Claus Bergen, deren Werke häufig zu einer Verherrlichung der kaiserlichen Flotte beitrugen.

Johannes Holst war während des ersten Weltkriegs in Frankreich eingesetzt, wo er die Bewegungen der französischen Stellungen täglich in Karten eintragen musste. Die Aufgabe ließ ihm glücklicherweise auch Zeit für seine künstlerischen Arbeiten: in der Sonderausstellung werden neben diesem Ölgemälde auch vier Bleistiftzeichnungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs gezeigt. Bei diesen Werken handelt es sich um Leihgaben aus einer Berliner Privatsammlung, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

*König, Walter: Johannes Holst – Maler der See, 2019, Koehler im Maximilian Verlag, S. 24.


Die Sonderausstellung “Johannes Holst – Maler der See” wurde in Kooperation mit dem Koehler im Maximilian Verlag und der Galerie Deichstraße vorbereitet. Sie findet von 7. Mai bis zum 16. August 2020 auf Deck 1 statt. Der Besuch ist im Eintrittspreis des Museums enthalten.


Cover des Buches "Johannes Holst - Maler der See" (Koehlers Verlagsgesellschaft) von Walter König.

Das Buch zur Ausstellung „Johannes Holst – Maler der See“ (2019, Koehler) wurde von Walter König verfasst und ist im Museumshop und Online erhältlich.


Blogbeiträge:

Hamburg ; Eberhard Möbi Möbius im Maritimen Museum IMMH , Deck 10 ( Sammlung Peter Tamm ) Foto : Michael Zapf Foto : Michael Zapf Pressefotografie Pfingstberg 17 21029 Hamburg fotozapf@t-online.de Jede Nutzung dieses Fotos ist honorarpflichtig !

10. Juni 2020

Wir trauern um Eberhard Möbius

Das Internationale Maritime Museum trauert um Eberhard Möbius. Er verstarb am 10. Juni in seiner Wahlheimat Hamburg. Mit ihm verlieren wir einen guten Freund und Weggefährten, der dem Museum eng verbunden war. Auf Deck 10 unseres Museums befindet sich eine Ausstellung des schwimmenden Theaters „Das Schiff“, das Möbius 1975 eröffnete und viele Jahre erfolgreich führte.

Hamburg ; Eberhard Möbius im Maritimen Museum IMMH , Deck 10 ( Sammlung Peter Tamm ) Foto : Michael Zapf Foto : Michael Zapf Pressefotografie
Eberhard Möbius im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, auf Deck 10.
Foto : © Michael Zapf Pressefotografie

Wenn er den Fundus seiner Seekiste öffnete und den Museums-Besuchern oder Gästen seine Geschichten, Anekdoten und Gedichte vortrug, dann blieb kein Auge trocken. Dann war „Möbi“, wie ihn die Hamburger liebevoll nannten, in seinem Element.

Er war mit Leib und Seele Kabarettist, Schauspieler, Buchautor – ein Mann mit großem Talent und voller Phantasie. Der selbsternannte „Admiral der norddeutschen Rollator-Flotte“ hatte bis zuletzt viele Pläne, die er auch in hohem Alter noch umsetzen wollte. Dem Hamburger Hafen war er sein Leben lang verbunden. In Wernigerode geboren, kam er 1958 nach Hamburg und arbeitete zunächst als sog. „Schietgänger“, als Schiffs- und Kesselreiniger im Hamburger Hafen. Nach Feierabend widmete Möbi sich seiner großen Leidenschaft, dem Theater.

Schon früh träumte er von einer eigenen Bühne, die allerdings schwimmen sollte. Er erwarb einen 1912 gebauten Besan-Ewer, der später zu einem Küstenmotorschiff umgebaut wurde. 1975 eröffnete er mit seiner Frau Christa seinen „Traum aus Holz und Eisen“ als schwimmendes Theaterschiff im Nikolaifleet, auf dem er selbst bis 1999 fast 25 Jahre lang auf der Bühne stand.

Nun hat „Möbi“ die Bühne im Alter von 93 Jahren endgültig verlassen. Er wird uns fehlen.