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Jean Antoine Théodore Gudin

Jean Antoine Théodore Gudin (1802-1880), Fischerboot bei Sonnenaufgang, undatiert, Öl auf Leinwand, BS Maritime Art Collection
Jean Antoine Théodore Gudin (1802-1880), Fischerboot bei Sonnenaufgang, undatiert, Öl auf Leinwand, BS Maritime Art Collection

Fischerboot bei Sonnenaufgang, undatiert

Bereits während seines Studiums der Historienmalerei an der École des Beaux-Arts in Paris schließt sich Théodore Gudin stilistisch Eugène Delacroix (1798-1863) und Théodore Géricault (1791-1824) an und wird später selbst zu einem europaweit gefeierten Protagonisten der französischen Romantik. Gudins künstlerisches Lebensthema ist das Meer, das er in all seinen Facetten darstellt. 1830 wird Gudin zum offiziellen Maler der französischen Marine ernannt und bricht noch im selben Jahr zum Algerienfeldzug auf, um die Höhepunkte der Eroberung durch die französischen Truppen zu illustrieren. Zurück in Paris, verarbeitet er die gesammelten Eindrücke im Studio und stellt sie ab 1831 höchst erfolgreich im Pariser Salon aus.

Diese friedliche, atmosphärische Morgenstimmung mit dem Aufbruch eines südländischen Fischerboots zu den Fischgründen gehört zu Gudins intimeren Reiseeindrücken aus dem Mittelmeerraum, in denen seine malerische Sensibilität besonders gut zum Ausdruck kommt. Sie ist in feinen lasierenden Pinselstrichen in sanft ineinander übergehenden Pastelltönen gehalten. Lautlos gleitet die Schebecke mit dem spitzen Bug durch die sich leise kräuselnde See; ein Fischpaar schwimmt ihr voraus. Die pastos gemalten Segel des zentralen Schiffes sind bereits in das warme, pfirsichfarbene Licht des Sonnenaufgangs getaucht, dessen Farbspektrum sich auch in den sanften Wellen spiegelt. Das weite Meer wird hier nicht als Ort des Schreckens, sondern als ästhetische Offenbarung eines schöne- ren, einfachen, authentischen Lebens aufgefasst. Übergreifendes Bildthema ist die harmonische Verbundenheit von Mensch und Natur – die spirituelle Naturerfahrung war ein zentrales Thema der Romantik.