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Tag der Archive 2026

"Alte Heimat - neue Heimat"

Am Samstag, den 7. März 2026 von 10:00 – 17:00 Uhr, laden die Hamburger Archive Sie herzlich ein, hinter die Kulissen zu blicken. An diesem Tag präsentieren zahlreiche Institutionen in der Hansestadt ihre Schätze und bieten Ihnen so die Möglichkeit, die Vielfalt der Hamburger Archivlandschaft zu entdecken. In diesem Jahr erstmals nicht nur im Staatsarchiv Hamburg, sondern auch im Forum der Handelskammer Hamburg.

Archive sind weit mehr als bloße Lagerstätten für vergilbtes Papier; sie sind das Fundament unserer Identität und die Hüter der Wahrheit. In einer offenen, toleranten und demokratischen Gesellschaft erfüllen Archive eine lebenswichtige Funktion, die weit über die Geschichtspflege hinausgeht. Sie sorgen für Transparenz, indem sie das Handeln von staatlichen Behörden und anderen Entscheidungsträgern nachvollziehbar halten. Sie sichern Rechtsansprüche, die durch die verwahrten Materialien dokumentiert sind. Und die Vielfalt der Archivlandschaft sorgt dafür, dass ein möglichst vollständiges und diverses Bild unserer heutigen Gesellschaft erhalten bleibt.

Auch in Hamburg bilden neben dem Staatsarchiv als Verwahrstelle der Unterlagen von Senat, Bürgerschaft und Verwaltung noch verschiedene andere Archivtypen jeweils eine spezifische Facette des Hamburger Lebens ab:

  • Wirtschaftsarchive: Hamburg als Welthandelshafen lebt durch seine Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen. Unternehmensarchive (wie die, des Außenhandelsunternehmens Behn Meyer, der Hochbahn, Montblanc oder verschiedener Reedereien) oder das Archiv der Handelskammer Hamburg und übergreifend die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv bewahren Handelsbücher, Pläne, Korrespondenzen und Objekte auf. Sie machen nachvollziehbar, wie Hamburg zum „Tor zur Welt“ wurde.
  • Das Hamburgische Architekturarchiv dokumentiert den Wandel des Stadtbildes und sichert Baupläne und Modelle, die zeigen, wie Hamburgs ikonische Skyline und seine Wohnquartiere entstanden sind.
  • Rundfunkarchive wie das Archiv des NDR bewahren das audiovisuelle Erbe. Tondokumente und Filmaufnahmen fangen die Atmosphäre der Jahrzehnte ein: Vom Dialekt der Straße bis hin zu historischen Berichterstattungen über Sturmfluten oder den G20-Gipfel.
  • Archive wissenschaftlicher Einrichtungen wie das der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg sammeln private Nachlässe und Unterlagen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die die Vielfalt gesellschaftlicher und alltagsgeschichtlicher Entwicklungen abbilden.

Eckdaten auf einen Blick:

  • Wann: Samstag, 7. März 2026, 10:00 – 17:00 Uhr
  • Wo: Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1
  • Eintritt: kostenfrei.
Zur Website der Stiftung Hanseatisches WirtschaftsarchivMehr zum Tag der Archive 2026 auf der Website des VdA
Veranstaltungsplakat zum Tag der Archive 2026 in Hamburg mit dem Motto „Neue Heimat – Alte Heimat“, 7. März 2026, Handelskammer Hamburg.

Ausgewählte Objekte zum Tag der Archive aus den Beständen des IMMH


Der Hamburger Hafen ist in unserem Archiv, den Sammlungsobjekten und der Bibliothek ein immer präsenter Ort. Von Hamburger Werften und den zahlreichen Linienrissen und Bauplänen über künstlerische Darstellungen bis hin zu einem großen Korpus an Literatur sowie zeitgenössischen Zeitschriften und Zeitungen reicht das Spektrum der Materialien. Bei der Betrachtung dieser Materialien wird die Entwicklung des Hamburger Hafens immer wieder deutlich. Sie ist eng mit der wirtschaftlichen, politischen und infrastrukturellen Geschichte Norddeutschlands verbunden. Anlässlich des Tags der Archive 2026 haben wir aus jedem Bestand ein Stück „anno dazumal“ herausgesucht, das das Hamburg und seine Bewohner von gestern zeigt.

Aus dem Bestand TSINGTAU


Fotografien sind ein großer Bestandteil unserer Sammlung, dies gilt auch für das Teilarchiv zur ehemaligen deutschen Kolonie Kiautschou. Sie sind stets Produkte ihrer Entstehungszeit und der jeweiligen historischen Kontexte. Erkenntnisse lassen sich dabei nicht nur aus dem inszenierten Bild selbst gewinnen, sondern ebenso aus den Intentionen der aufnehmenden Personen sowie den sozialen Rahmenbedingungen der Produktion (1). Die hier präsentierten Fotografien wurden daher aufgrund ihres doppelten Kontextes ausgewählt: Sie dokumentieren einerseits private Lebenswelten deutscher Kolonialangehöriger in Tsingtau (heute Qingdao) und verweisen andererseits auf die lokalen Strukturen innerhalb der kolonialen Gesellschaft (2).

Die deutsche Kolonialstadt Tsingtau wurde nach der Besetzung des Gebietes im Jahr 1897 zu einer „neuen Heimat“ für eine kleine deutsche Bevölkerung. Gleichzeitig entstanden neue, durch koloniale Machtverhältnisse geprägte Lebensräume für lokale Bevölkerung sowie für Menschen aus angrenzenden Regionen Ostasiens (3). Diese Ambivalenz von „alter“ und „neuer“ Heimat wird in den Fotografien besonders anschaulich: Festgehalten sind unterschiedliche Stationen des Familienlebens – von der Darstellung eines vor Ort geborenen Kleinkindes über Aufnahmen des Wohnhauses und Einzelporträts bis hin zu Gruppenbildern mit Bekannten sowie einem Familienporträt im Anschluss an eine Beerdigung. Die Fotografien dokumentieren damit nicht nur private Erinnerungsmomente, sondern zugleich Prozesse der Verortung innerhalb eines kolonialen Umfeldes.

Hervorzuheben ist, dass sich hinter der Kamera keine deutschen Fotografen befanden. Die Aufnahmen stammen aus drei Ateliers, darunter das Studio von T. Takahashi, einem japanischen Fotografen mit Sitz in Tsingtau. Eine Anzeige im Adressbuch von 1914 weist sein Atelier in der Friedrichstraße gegenüber der Hamburg-Amerika-Linie aus (4). Für die beiden weiteren Fotografen – Yung Fang sowie das Atelier Yung Tschang & Co., beide im Stadtteil Tapautau gelegen – konnten bislang keine weiterführenden biografischen Informationen ermittelt werden. Die vorliegenden Familienfotografien aus dem Nachlass zeigen, dass koloniale Alltagswelten von transkulturellen Begegnungen geprägt waren.

Die räumliche Verteilung der Ateliers verweist zugleich auf die soziale Segregation innerhalb der Kolonialstadt. Chinesische Bewohner durften erst ab 1914 und nur mit Genehmigung der kolonialen Verwaltung im sogenannten Europäerviertel wohnen. Zuvor war ein Zusammenleben aufgrund hygienischer und kolonialrassistischer Begründungen weitgehend ausgeschlossen. Fotografische Ateliers spiegelten diese Ordnung wider, da sie sich entsprechend der Bevölkerungsstruktur und Zugänglichkeit urbaner Räume entwickelten (5).

Das Adressbuch von 1914 nennt zudem den Familienvater, mit dem die Fotografien verbunden sind. Er war zwischen etwa 1902 und 1914 als Hafenamtsschreiber tätig. Innerhalb dieser zwölf Jahre veränderte sich nicht nur sein Arbeitsplatz, der Hafen, enorm. Große infrastrukturelle Entwicklungen gingen einher mit sozialen Umbrüchen innerhalb der chinesischen Gesellschaft. So initiierten die lokale Kaufmannschaft und städtische Eliten die Gründung einer chinesischen Handelskammer und bewiesen, etwa auch durch Proteste gegen eine erlassene Kajen-Verordnung, den Willen, die „neue“ Heimat aktiv mitzugestalten (6). Nicht zuletzt zeigte sich dies auch in dem Ablichten deutscher Familien und Personen. Die Bilder lassen sich somit nicht nur individuell-biografisch einordnen, sondern auch institutionell in die koloniale Verwaltungsstruktur einbetten.

Über die Fotografie entsteht damit ein Zugang zur Erfahrung von „neuer Heimat“ in einem kolonialen Kontext – einem Raum, der zugleich von Zugehörigkeit, Machtverhältnissen und kultureller Aushandlung geprägt war.


(1) Zu historischer Bildanalyse siehe: u. a. Elizabeth Edwards, Stuart Hall und Jens Jäger.
(2) IMMH, Archiv, Signatur: K47a, Dokument-Nr.: 182, 185, 193, 199, 201 und 210.
(3) Die Stadtbevölkerung bestand überwiegend aus chinesischen Personen. Eine Volkszählung aus dem Jahr 1910 belegt im Stadtgebiet Tsingtau: 34.180 Chinesen, 1.621 Europäer, 2.275 Personen im Soldatenstand und 167 Japaner. Entnommen aus: Handbuch für das Schutzgebiet Kiautschou, F. W. Mohr, 1911, Bibliothek am IMMH, Signatur: A1/7/7-39438-13
(4) IMMH, Bibliothek, Signatur: A1/7/7-39426-1
(5) „Musterkolonie Kiautschou“: Die Expansion des Deutschen Reiches in China, Hg. von Mechthild Leutner. Bearb. Klaus Mühlhahn, Berlin, 1997, S. 45.
(6) Mühlhahn, Klaus, Widerstand und Herrschaft in der „Musterkolonie“ Kiautschou, 2000, S. 171f.

Neun Personen in einem Studio-Porträt: Frauen und Kinder in historischer Kleidung mit großen Hüten, rechts ein Mann in dunkler Jacke und weitem Rock.
Porträt eines Brautpaars: Frau in weißem Kleid mit Schleier und Strauß, Mann mit Schnurrbart, Anzug und Medaillen; Aufdruck T. Takahashi Tsingtau

Aus dem Bestand FOTO UND FILM

Sie stellen eine Dokumentation der Zerstörung dar, zugleich ist ihre künstlerische Qualität aber von herausragender Bedeutung. Jene Aufnahmen, die der Hamburger Berufsfotograph Heinrich Hamann (1883-1975) auf seine Bitte hin im Auftrag der britischen Besatzungsmacht im zerstörten Hafengebiet anfertigte, sind faszinierende Bildzeugnisse des unmittelbaren Nachkriegschaos.

Negativ, Inventar-Nr. 1012/1948
26. Februar 1948

Dampfer „Amicizia“, Sandtorhafen, Kaiserkai, Schuppen 10

Das durch Bomben auseinandergerissene Wrack des Dampfschiffes „Amicizia“ liegt, von Glocken umrahmt, im Sandtorhafen. Die Glocken waren in so mancher Kirche des Reiches und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten „requiriert“ worden, um das wertvolle Metall der Rüstungsindustrie zuzuführen. In der Blickachse der Kaispeicher B.

 

Glasnegativ, Inventar-Nr. 24/1945
10. Juni 1945

Dampfer „Henry John“ und Dampfer „Rival“ vor dem Guanofleet

Man muss schon genau hinsehen, um die Reste der gesunkenen Dampfer vor den Häuserruinen im Bereich Johannisbollwerk und Vorsetzen zu finden. Nur noch Mastspitzen und wenige Aufbauten ragen aus dem Wasser. Das Bild wird von drei parallelen horizontalen Linien durchzogen: im Vordergrund ein Holzgerüst, im Mittelgrund die Elbwasserkante und darüber die Trasse der Hochbahn. Dazwischen Chaos und Zerstörung mit Ausnahme des britischen Bergungsschleppers „Salvage Duke“. Heinrich Hamann hat sein Bild zudem so arrangiert, dass das „B“ der Schornsteinmarke des Dampfers „Henry John“ voller Symbolik direkt unter dem Bismarckdenkmal im Hintergrund sitzt.

Verschneiter Kai mit vielen ausgebreiteten Glocken; im Hintergrund ein gekentertes Frachtschiff und Fabrikbauten.
Hafenblick: Bauholz und Gerüst im Vordergrund, halb versunkene Boote und Arbeitsplattformen im Wasser, Stadtsilhouette im Hintergrund.

Aus dem Bestand SPEISEKARTEN

Speisekarte der Nordlandfahrt an Bord der Yacht „Oceana“, 14. August 1910
Inventar-Nr. R7-4037

Nach umfangreichen Umbauarbeiten ergänzte 1906 die „Oceana“ die Nordlandflotte der HAPAG.

„Der Dampfer verfügt über prächtige Gesellschafts- und Unterkunftsräume, eine Turnhalle, ein sehr geräumiges Promenadendeck und zeichnet sich durch eine besonders große Anzahl von Einzelkammern für allein reisende Passagiere und manche andere Annehmlichkeiten aus.“ (HAPAG-Prospekt für Nordlandfahrten 1907)

Für die Titel der Speisekarten und Veranstaltungsprogramme der Polar- und Äquatortaufen wählte die HAPAG Werke der Düsseldorfer Künstlerin Illna Ewers-Wunderwald (1878-1957). Häufig stellen diese in Mischtechnik gearbeiteten Bilder Fantasieabbildungen von Meerestieren dar, wie etwa der fliegende Fisch dieser Speisekarte mit dem Fantasie-Menü zur Polartaufe.

Stilisierter stacheliger Meeresfisch mit langen Flossen in rotem Korallenrahmen und Aufschrift Hamburg‑Amerika Linie.
Gedruckte Menükarte der Yacht Oceana vom 14. August 1910 mit dem Titel Haupt-Mahl und einer Liste deutschsprachiger Gerichte.

Aus dem Bestand HAMBURG SÜD

Hamburg-Süd Zeitung – Monatsschrift der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft
Inventar-Nr. HS-148465
9. Jahrgang, Nr. 5, Mai 1938

 

Die am 4. November 1871 gegründete Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft, seit Jahrzehnten kurz und prägnant als Hamburg Süd ein Begriff in der maritimen Welt, hat sich im Laufe ihrer Geschichte international einen Bekanntheitsgrad erworben.

Umsatz bis 2016: 5,637 Mrd. Euro
Mitarbeiterzahl bis 2016: 6.301
Schiffe in Betrieb bis 2016: 177

Am 28. April 2017 haben die Gesellschafter und der Beirat der Dr. August Oetker KG den von der Dr. August Oetker KG mit der Mærsk Line vereinbarten Vertrag über den Verkauf der Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft KG (Hamburg Süd) einschließlich aller Tochtergesellschaften sowie der zugehörigen Reedereien genehmigt. Seit dem 1. Dezember 2017 gehört die Hamburg Süd zu A. P. Møller-Mærsk. Das Eigentum der 105 Schiffe von Hamburg Süd und die Verantwortung für das Management der Schiffe liegt mit der Übernahme des Unternehmens bei Maersk in Kopenhagen.

Am 27. Januar 2023 gab Maersk bekannt, fast alle Logistikmarken in die Muttermarke Maersk zu integrieren. Damit wurde auch das Ende des Namens Hamburg Süd beschlossen. Der gleichnamige, seit knapp 60 Jahren am Verwaltungsgebäude in der Willy-Brandt-Straße bestehende Schriftzug, wurde Ende Februar 2023 entfernt.

Am 7. August 2025 wurde die Gesellschaft wegen Verschmelzung mit der Maersk A/S & Co. KG aus dem Handelsregister gelöscht.

Titelseite der Hamburg‑Süd Zeitung (Mai 1938) mit skizzierter Silhouette von Hamburg, Brücke, Schiffsbug und kleinem Hafenfoto.
Historisches Werbeplakat für die MS Jan Molsen, die täglich von Hamburg nach Cuxhaven und zurück fährt, mit grünem Rahmen.

Aus dem Bestand HADAG

„MS „Jan Molsen“ fährt wieder (nach gründlicher Überholung) täglich von Hamburg nach Cuxhaven und zurück“
o. Inventar-Nr.
Juni 1946

Jan Molsen
Baujahr: 1925
Bauwerft: H.C. Stülcken & Sohn, Hamburg
Reederei: H.A.D.A.G.
Passagierzahlen: 2998 im Hafenfähreneinsatz, 1749 im Unterelbedienst

Aus dem Bestand BIBLIOTHEK

„Hamburgs Handel und Schiffahrt 1896. Die Einfuhr einzelner Waaren mit Unterscheidung der Herkunftsländer bezw. Transportwege. Tab. 57.“
Inventar-Nr. 63553
1896
Hamburg: Schröder & Jeve

Im Jahr 1896 wurde Kaffee im Wert von 91,4 Millionen Mark aus Brasilien in den Hamburger Hafen eingeführt.

Aufgeschlagene Buchseite mit Tabelle

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