IMMH

21. Juli 2021

Extrablätter im Online Archiv

Ab heute können Interessierte zunächst 158 sogenannte Extrablätter online entdecken. Damit wird ein neuer Teil des digitalisierten Archivs des Internationalen Maritimen Museums Hamburg über unser Online-Archiv zugänglich gemacht.

"Extra-Ausgabe der Neuen Hamburger Zeitung" 10. Dezember 1914, aus der Extrablätter Sammlung des Internationales Maritimes Museum Hamburg,
Extra! Extra! Die Extrablätter-Sammlung des Museums ist soeben in unserem Online-Archiv veröffentlicht worden!

Die Extrablätter dienten besonders in Kriegszeiten dazu, die Menschen mit den wichtigsten tagesaktuellen Ereignissen zu versorgen. In der Regel wurden die Extrablätter mehrmals am Tag „gratis“, „kostenlos“ oder „unentgeltlich“ ausgegeben und sogar auf den Straßen ausgerufen. Durch den geringen Umfang im Vergleich zu den Tageszeitungen, konnten durch Extrablätter die neuesten und wichtigsten Meldungen schnell verbreitet werden. Diese Einblattdrucke enthielten ergeignisbezogene und plakative Schlagzeilen, die teilweise auch durch wirkungsreiche Illustrationen begleitet wurden.

Sehr eindrücklich erscheint so die Zeichnung des Mordattentäters auf dem Extrablatt zu dem Attentat auf Seine Majestät den Kaiser Wilhelm am 11. Mai 1878. Weiter unten im Text erfährt der aufmerksam gewordene Leser, dass „von meuchelmörderischer Hand zwei Revolverschüsse auf den von einer Spazierfahrt heimkehrenden Monarchen abgefeuert worden [sind], die beide ihr Ziel verfehlten.“.

Ausschnitt Extrablatt "Das Mord-Attentat auf Seine Majestät den Kaiser Wilhelm …" (1878) aus der Extrablätter Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Ausschnitt Extrablatt “Das Mord-Attentat auf Seine Majestät den Kaiser Wilhelm …” (1878), Inventar-Nr. 452-117/92100

Das Extrablatt des Berliner Lokal-Anzeiger vom 23. August 1016 setzt hingegen auf die Plakatierung von Überschrift und großen Lettern. Hier lautet der Drahtbericht des Korrespondenten:
„Die „Deutschland“ in der Wesermündung eingetroffen. […] Das erste deutsche Handels-Unterseeboot „Deutschland“ ist heute nachmittag auf der Weser vor Anker gegangen. An Bord ist alles wohl.“

Ausschnitt Extrablatt Berliner Lokal-Anzeiger (23.08.1916) aus der Extrablätter Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Ausschnitt Extrablatt Berliner Lokal-Anzeiger (23.08.1916), Inventar-Nr. 452-120/92104

Zu Zeiten des Krieges hat die Neue Hamburger Zeitung zweimal täglich eine „Extra-Ausgabe“ herausgebracht. So wurde beispielsweise am 10. Dezember 1914 die „amtlich bestätigt[e]“ Nachricht verkündet, dass die „Scharnhorst, Gneisenau, Leipzig gesunken“ seien. „Eine Anzahl Ueberlebender der gesunkenen Schiffe wurde gerettet.“

Ausschnitt der Extra-Ausgabe der Neuen Hamburger Zeitung (10.12.1914) aus der Extrablätter Sammlung des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Ausschnitt der Extra-Ausgabe der Neuen Hamburger Zeitung (10.12.1914), Inventar-Nr. 452-19/92102

Sowohl damals als auch heute sind die mit Nachrichten gefüllten Druckwerke ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens. Damals wohl noch wichtiger als heute, da das Radio und das Fernsehen noch lange nicht massentauglich waren. So hatten die Druckwerke am Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine Marktbeherrschung inne und verzeichneten in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt. Über 100 Jahre später eröffnen die Extrablätter uns eine authentische Dokumentation der damaligen Zeit, täglichen Ereignisse und auch Lebensumständen.

Die Digitalisierung der Bestände des IMMH ist Gefördert von: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

8. Juli 2021

Decks- und Kabinenpläne im Online Archiv

Mit der Sammlung von Decks- und Kabinenpläne aus dem Archiv des Museums haben wir kürzlich unser digitalisiertes Online-Archiv aktualisiert. Diese neuen Dateien gewähren einen faszinierenden Einblick in das Goldene Zeitalter der transozeanischen Schiffsreisen. Diese Dokumente dienten der Werbung für die Schiffe und halfen den Passagieren bei der Orientierung an Bord. Heute sind sie wunderschöne historische Quellen, um zu verstehen, was es bedeutete, über einen Ozean zu dampfen, um einen neuen Kontinent zu erreichen.

Decks- und Kabinenpläne der Oceanliner Mauretania der Cunard Line aus den Online Archiv des Internationalen Maritimen Museum.
Quelle: Decks- und Kabinenpläne der Ocean Liner „Mauretania“ (R-1-5004)

In diesem Monat möchten wir weiter Digitalisate für Interessierte online in unserem Online Archiv zur Verfügung stellen: Die Decks- und Kabinenpläne. 

In diesem Bestand wurden zu 115 ausgewählten Objekten insgesamt 286 Digitalisate erstellt, die nun im Online Archiv unter “Reise auf See” recherchierbar und für jeden Besucher einsehbar sind. 

Der Decks- und Kabinenplan gehört zu jeder Kreuzfahrt dazu. Hier sind nicht nur die Kabinen für die Unterbringung beschrieben sondern weisen dem Passagier auch den Weg: zum Damensalon, zum Rauchersalon oder auch zum Sportdeck. Dem Passagier wird die Orientierung auf dem Schiff Schritt für Schritt näher gebracht. So sind Grundlagen wie Backboard und Steuerboard erklärt und fast schon künstlerische Zeichenerläuterungen der Ausstattungen und Details einer Kabine präsentiert: 

Decks- und Kabinenplan des Doppelschrauben-Motorschiff „Cordillera“ (R-1-2035) auf den Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Quelle: Decks- und Kabinenplan des Doppelschrauben-Motorschiff „Cordillera“ (R-1-2035)

Die Reedereien zeigten natürlich auch mit fotografischen Aufnahmen auf Ihren Plänen die Annehmlichkeiten der räumlichen Ausstattung ihres Kreuzfahrtschiffs – so präsentiert die Cunard Line den eleganten Raucherraum der „Mauretania“, die damals mit ihrer Größe neue Maßstäbe der Kreuzfahrt gesetzt hat. Die Innenausstattung der „Mauretania“ zeichnete sich vor allem durch dunkle Hölzer ab, welche ein konservatives britisches Flair erzeugen sollte. Die Preise für eine Außenkabine auf der Überfahrt von Liverpool bis New York auf dem A-Deck schwankten 1911 zwischen 90 bis 150 Pfund pro Nacht und Person. Dafür hatten die Passagiere den Luxus eines eigenen Bads und einer eigenen Toilette. 

Decks- und Kabinenpläne der Ocean Liner „Mauretania“ (R-1-5004). Luxuriöser Rauchersalon. Online Archiv des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Quelle: Decks- und Kabinenpläne der Ocean Liner „Mauretania“ (R-1-5004)

In vergangenen Zeiten konnte das Reisen mit einem sogn. „Oceanliner“ eine luxuriöse Angelegenheit sein. Neben großen Sonnendecks, Schwimmbädern, Tennisplätzen, Frisörsalons konnten Passagiere in der Ersten Klasse entspannte Tage verbringen. In der „First Class“ der S.S. „Hamburg“ konnte eine geräumige Suite in den Sommermonaten ab 1.035 $ für eine Personen gemietet werden. 

“No bedroom in the First Class of the “Hamburg” is below Deck D, or less than three full decks above the water line and every bedroom is measurably within that favored area known as amidship. […] 

In these bedrooms one doesn´t “turn in” as on the shelves or berths of other days; one goes into a wide, full-length bed. […] 

Room dimensions have become generous, wardrobes spacious. […]“ 


„Kein Schlafzimmer in der Ersten Klasse der „Hamburg“ liegt unter Deck D oder weniger als drei volle Decks über der Wasserlinie und jedes Schlafzimmer befindet sich messbar in jenem bevorzugten Bereich, der als Mittschiff bekannt ist. […] 

In diesen Schlafzimmern “dreht man sich nicht um” wie in den Regalen oder Kojen anderer Tage; man geht in ein breites, durchgehendes Bett. […] 

Die Raummaße sind großzügig geworden, die Schränke geräumig. […]“ 

Decksplan der 1. Klasse des Dampfer „Hamburg“ (1930, R-1-2047).
Prospekt mit Decks- und Kabinenpläne der S.S. „Hamburg“ (1930, R-1-2047) aus den Online Archiv des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.
Quelle: Prospekt mit Decks- und Kabinenpläne der S.S. „Hamburg“ (1930, R-1-2047). 
Quelle: Prospekt mit Decks- und Kabinenpläne der S.S. „Hamburg“ (1930, R-1-2047). 

Jeder Plan kann interessante Details beinhalten. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man zum Beispiel das der „Barbier“ an Bord des Doppelschraubenpostdampfers „Hamburg“ zwischen der Touristenklasse und der 1. Klasse unterschieden wurde. 

Decksplan des Doppelschraubenpostdampfer „Hamburg“ (R-1-2036) im Online Archiv des Internationales Maritimes Museum Hamburg.
Quelle: Decksplan des Doppelschraubenpostdampfer „Hamburg“ (R-1-2036)

Die Kajüte des Kapitäns befand sich in der Regel auf höheren Decks (in folgendem Beispiel hinter dem Steuerhaus) und war komfortabel und großzügig eingerichtet. So hatte der Kapitän, seinem Rang entsprechend, sein eigenes Schreibzimmer, Wohnzimmer, Bad sowie ein Kartenzimmer. 

Decksplan des Doppelschraubenpostdampfer „Hamburg“ (R-1-2036) im Online Archiv des Internationales Maritimes Museum Hamburg.
Quelle: Decksplan des Doppelschraubenpostdampfer „Hamburg“ (R-1-2036).

“[…] Regret rather than relief finds expression as the ship nears her destination – when the hour approaches to make ready to go ashore. It is not going too far to say that nowhere is life quite so free from care, so well ordered, as on a transatlantic passenger steamer. 

And so, today, a voyage is as long as it seems. Many a traveler who used to endure five or six days on the Atlantic as best he could, now thinks a longer crossing ends all too soon. […]” 


„[…] Eher Bedauern als Erleichterung kommt auf, wenn sich das Schiff seinem Ziel nähert und die Stunde naht, um sich für den Landgang bereit zu machen. Es geht nicht zu weit zu sagen, dass das Leben nirgendwo so sorglos, so geordnet ist wie auf einem transatlantischen Passagierdampfer. 

Und so ist heute eine Reise so lang, wie sie zu sein scheint. Mancher Reisende, der früher fünf oder sechs Tage auf dem Atlantik ertragen hat, so gut er konnte, meint nun, eine längere Überfahrt sei allzu schnell zu Ende. […]“

Quelle: Decksplan der 1. Klasse des Dampfer „Hamburg“ (1930, R-1-2047).

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