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Deck 5 – Krieg und Frieden: Marinen der Welt seit 1815

Audioguide zu Deck 5: Marinen der Welt

HMS Hood der Royal Navy auf deck 5 - Marinen der Welt - des Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

50 – Einführung: Deck 5, Marinen der Welt

Das Ausstellungsdeck 5 beschäftigt sich mit der Entwicklung der Marinen der Welt im 19. und 20. Jahrhundert.
 
Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts erfasste auch den Bau von Kriegsschiffen. Nicht mehr Segel, sondern Dampfmaschinen, dann Turbinen und Motoren trieben Schiffe an, deren Rumpf nicht mehr aus Holz, sondern aus Eisen oder Stahl gebaut war. Zugleich stand die Panzerung von Schiffsrümpfen in einem unheimlich anmutenden Wettbewerb mit der Entwicklung von Granaten, Geschützrohren und schließlich Fernlenkwaffen. Die Einführung von Mine und Torpedo sowie das Erscheinen einer neuen, unheimlichen Waffe, des U-Boots, schufen weitere Gefahrenpotentiale. Strategie und Taktik des Seekrieges passten sich den jeweiligen waffentechnischen Entwicklungssprüngen an.
 
 Als Statussymbol nationaler  Macht demonstrierten zunächst Großkampfschiffe viele Jahrzehnte lang die technische und industrielle Reife eines Staates. Seemacht maß sich vor allem an der Anzahl von Großkampfschiffen. Quantitative und qualitative Rüstungswettläufe waren die Folge. U-Boote und Flugzeuge zerstörten im Zweiten Weltkrieg den Nimbus des Großkampfschiffes.
 
Während und vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges zeichnete sich erneut ein einschneidender Strategiewechsel ab. Mit Atomwaffen ausgerüstete U-Bootflotten und Flugzeugträger dominierten das Denken und Handeln der Seemächte. Veränderte Bedrohungsszenarien wie der internationale Terrorismus verlangen heute nach neuen Lösungen, das heißt nach einer neuen Seerüstung.

51 – Die Deutsche Bundesflotte

Am 14. Juni 1848 beschloss die Frankfurter Nationalversammlung die Gründung einer deutschen Reichsflotte. Als unmittelbarer Anlass gilt die dänische Blockade der deutschen Küsten im Streit um die Herzogtümer Schleswig und Holstein.
 
Nicht zuletzt war diese Deutsche Bundesflotte das Ergebnis zweier Revolutionen – einer gesellschaftlichen und einer technischen. Die Entscheidung für die Gründung der  Flotte beruhte auf einer politisch, revolutionären Bewegung, die in ein deutsches Parlament mündete. Militärtechnisch sahen die Pläne der Nationalversammlung den Aufbau  einer Dampfschiffflotte vor. Dies war zur damaligen Zeit ein sehr modernes Konzept, das grundlegende Neuerungen in der Marineorganisation nach sich zog.
 
Im Sommer 1849 misslang der Versuch, einen demokratischen Nationalstaat in Deutschland zu errichten. Dieses Scheitern bedeutete zugleich das Ende der Deutschen Bundesflotte.
 
Der Amerikanische Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 sah die Entstehung der modernen Marinen unter den Bedingungen eines militärischen Konflikts. Die sogenannten „Ironclads“, gepanzerte Schiffe wie die USS „Monitor“ der Nordstaaten und die CSS „Virginia“ der Konföderierten Staaten, die ersten Spierentorpedoboote wie die CSS „David“ oder das erste U-Boot wie die CSS „Hunley“ – letzteres können Sie in der Abteilung Unterseeboote sehen – veränderten die technischen, taktischen und strategischen Bedingungen des Seekrieges. Nichts war mehr so wie zu Zeiten der Segelschiffflotten Admiral Horatio Nelsons.

52 – Torpedo gegen Panzerung

Seit den 1830er Jahren intensivierte sich der Rüstungswettlauf zwischen Frankreich und England. Die Jahrhunderte alte Rivalität der beiden Nationen führte zu neuen militärtechnischen und strategischen Entwicklungen.
 
Das französische Panzerschiff „Gloire“ war 1859 das erste mit Eisenplatten geschützte, hochseefähige Dampfschiff. England antwortete 1861 mit der HMS „Warrior“, dem modernsten, weil ganz aus Eisen gebauten Kriegsschiff seiner Zeit.
 
Die Aufstellung der Hauptartillerie der Kriegsschiffe wandelte sich von der klassischen Breitseitbatterie zu drehbaren Geschütztürmen. Diese hatten den Vorteil, mit weniger Geschützen auszukommen zu können, denn bewegliche Ziele ließen sich durch die neue Bewaffnung mitverfolgen.
 
Die Schiffskonstrukteure suchten die optimale Verbindung zwischen Antrieb, Bewaffnung und Panzerung in einem möglichst preiswerten Schiff. Es kam zu einem Wettlauf Panzerung gegen Bewaffnung.
 
1866 entwickelte der britische Ingenieur Robert Whitehead den selbstfahrenden Torpedo. Das mit eigenem Antrieb versehene Unterwassergeschoss war kaum zu orten und zündete bei direktem Kontakt mit dem Ziel. Die neue Waffe machte eine grundlegende Neuverteilung der Panzerung des gesamten Rumpfes eines Schiffes notwendig.
 
Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich in der französischen Marine eine neue Strategie. Die Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 hatte Frankreich stark geschwächt. Großbritannien war als Seemacht in technischer und industrieller Hinsicht überlegen. Der Bau großer Panzerschiffflotten erwies sich für Frankreich als nicht finanzierbar.
 
Die französische Marine investierte in moderne Waffen: Im Kriegsfalle sollten Torpedoboote englische Schiffe attackieren, der Seehandel mit schnellen Handelsstörern zum Erliegen gebracht werden. Diese „Jeune École – also „Junge Schule“ – genannte Strategie bereitete den Weg für die Handelskriegsführung mit U-Booten im Zeitalter der beiden Weltkriege.

53 – Übergang 19. / 20. Jahrhundert

Mehr als 30 Jahre lang beeinflussten technologische Revolutionen die Marinen der Welt. In den 1890er Jahren schien dieser Prozess im Hinblick auf die Entwicklung der Schiffstypen ein vorläufiges Ende gefunden zu haben: Dampfbetriebene, stahlgepanzerte Linienschiffe verfügten vorn und achtern über Drehtürme mit jeweils zwei schweren Kanonen. Kleinere, leichter bewaffnete schnelle Kreuzer bildeten Aufklärungseinheiten für die Flotte, Torpedoboote bedrohten die großen Schiffe des Gegners.  
 
„Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser“ verkündete Kaiser Wilhelm II. Mit großem Aufwand trieb der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen die Aufrüstung der kaiserlichen Marine voran.
 
Der Monarch verfolgte das Ziel, das industriell aufstrebende Kaiserreich als große Seemacht zu etablieren. Unter haushaltspolitischer Bindung des Reichstags legitimierten die von Admiral Alfred von Tirpitz vorbereiteten Flottengesetze ab 1898 den raschen Aufbau der deutschen Marine. Mit einer bis dato ungekannten Propagandakampagne begleitete Tirpitz die Pläne des Kaisers.
 
In England modernisierte Admiral Sir John Fisher ab 1904 die britische Seestreitmacht. Schnelle Großkampfschiffe sollten die Verbindungslinien des Empire gegen französische oder russische Kaperkreuzer schützen und auch die deutsche Handelsflotte in Schach halten. Flottillen flinker Torpedoboote sowie U-Boote waren zur Verteidigung der heimischen Seeräume vorgesehen. Fisher setzte auf Qualität.
 
Weltweit wuchs der Ausbau der Flotten. Zum ersten großen Schlagabtausch zwischen Panzerschiffgeschwadern kam es bereits im Jahre 1905. In der Seeschlacht von Tsushima demonstrierten die japanische und russische Flotte die Vernichtungskraft schwerer Geschütze.

54 – Dreadnought – 1. Weltkrieg   

Ein Ergebnis der von Admiral Sir John Fisher begonnenen Modernisierung der britischen Marine war das 1906 vom Stapel gelaufene Großkampfschiff „Dreadnought“. Das gewaltige Kriegsschiff verfügte über fünf Drehtürme mit Geschützen vom Kaliber 30,5 cm. Die 28 Zentimeter starken Platten des Seitenpanzers schützten mittschiffs in Höhe der Wasserlinie die vitalen Teile des Kolosses. Wasserdichte Querschoten unterteilten das 23.000 PS starke und 21 Knoten schnelle Schiff in 18 Abteilungen. Die Maschinenanlage der „Dreadnought“ bestand nicht mehr aus Kolbendampfmaschinen, sondern aus Turbinen. Mit Großkampfschiffen dieser Art  schien England als die See- und Kolonialmacht jedem potentiellen Konkurrenten Einhalt gebieten zu können.
 
Bis 1914 fand nach dem englisch-französischen Rüstungswettlauf des 19. Jahrhunderts ein Wettbewerb der Bauprogramme zwischen England und Deutschland statt. Nach und nach stiegen jedoch alle bedeutenden Großmächte in den Bau von „Dreadnoughts“ ein. Dreadnoughts bedeuteten Seemacht.
 
Der Erste Weltkrieg begann im Jahre 1914. Er endete 1918. Seit Kriegsbeginn blockierten England und Frankreich die deutsche Nordseeküste. Die kaiserliche Schlachtflotte erwies sich als ungeeignet, die Fernblockade der Entente zu brechen. Der Seekrieg des Ersten Weltkrieges wurde auf beiden Seiten bestimmt von den sogenannten Kleinkampfmitteln: U-Boote, Torpedoboote, Minenleger und Seeflieger. Deutsche U-Boote dienten als Offensivwaffe um den englischen Handel zu unterbinden.
 
Die teuren englischen und deutschen „Dreadnoughts“ stießen am 31. Mai 1916 in der Seeschlacht vor dem Skagerrak aufeinander. Einen militärischen Nutzen konnte keine der beiden Seite aus dem Gefecht ziehen. Zu einer weiteren Entscheidungsschlacht zwischen Panzerschiffverbänden kam es nicht.

55 – U-Boote als Seekriegsmittel

Bis zum ersten voll funktionsfähigen Tauchboot „Seeteufel“ des aus Bayern stammenden Artillerieoffiziers Wilhelm Bauer aus dem Jahr 1856 gab es mannigfaltige Studien, Konstruktionen, Versuche und Fehlversuche, die unterseeische Schifffahrt voranzutreiben. Um das Jahr 1900 jedoch war das U-Boot in allen bedeutenden Marinen der Welt etabliert. Winzige Tauchfahrzeuge, die ihre Waffe ungesehen einsetzten, versprachen insbesondere kleineren Seemächten einen Vorteil gegenüber den mächtigeren Nationen.
 
Ältere, noch im traditionellen Schlachtschiffdenken verhaftete Offiziere hegten zunächst Zweifel an der taktischen und strategischen Wirksamkeit von Unterseebooten. Der Erste Weltkrieg beseitigte jedoch alle Bedenken an der Schlagkraft der unterseeischen Offensivwaffen. Am 22. September 1914 versenkte das deutsche U-Boot „U 9“ innerhalb von 75 Minuten drei britische Panzerkreuzer.
 
Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Deutschland zum Vorreiter der U-Bootkriegführung gegen den internationalen Seehandel Großbritanniens. Die Royal Navy reagierte mit der Einführung eines Geleitzugsystems: Konvois aus mehreren Begleitschiffen sorgten für den Schutz der Handelsschiffe. Auch verbesserte Technologien bei der Ortung und Bekämpfung von U-Booten kamen zum Einsatz.  
 
Beide Weltkriege führten zu Technologiesprüngen in der Entwicklung von Tauchbooten. Binnen vier Jahrzehnten reiften Unterwasserfahrzeuge von relativ primitiven Booten zu einer hochsensiblen, lautlos operierenden und tödlich effektiven Maschinerie.
 
Auch über die Dauer des Kalten Krieges hinaus setzte sich dieser Prozess fort. U-Boote werden heute sowohl atomar als auch mit Brennstoffzellen angetrieben. Als strategische Raketenträger verfügen sie über modernste Torpedos und Interkontinentalraketen. Als Waffe für die Dominanz im Küstenvorfeld sind die Boote aus der Tiefe unverzichtbar.

(Video) Die geschichtliche Entwicklung der U-Boote

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56 – 2. Weltkrieg

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden die dem Deutschen Reich gemäß des Versailler Vertrages auferlegten Rüstungsbeschränkungen für Schiffsneubauten mit Rücksicht auf die Seemacht England zunächst noch vorsichtig unterlaufen. 1935 regelte ein Flottenabkommen mit Großbritannien den weiteren Aufbau der neuen Kriegsmarine. Seit Mai 1938 kalkulierte Adolf Hitler bei künftigen Schritten seiner Expansions- und Machtpolitik die Gegnerschaft Englands ein. Der so genannte „Z-Plan“, ein gewaltiges Aufrüstungsprogramm, entschied über die Rüstungsprioritäten: Hitler wollte Schlachtschiffe – als politisches Pfand und sichtbares Drohpotential gegen die Großmächte. Wie 1914 war diese Strategie zum Scheitern verurteilt. London ließ sich durch eine erneute deutsche Flottenrüstung weder zu einer Koalition noch zu weit reichenden politischen Zugeständnissen drängen und zwingen. Am 28. April 1939 kündigte das Deutsche Reich den Flottenvertrag mit England. Nach dem Überfall Hitlers auf Polen erklärte Großbritannien dem nationalsozialistischen Deutschland den Krieg.
 
Das größte und kampfstärkste Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine war die  1939 vom Stapel gelaufene „Bismarck“. Der 251 Meter lange und 36 Meter breite Stahlriese sollte im Falle eines bewaffneten Konflikts gegen die englischen Seeverbindungen operieren. Die „Bismarck“ sank am 27. Mai 1941 bei ihrem ersten Einsatz gegen die britische Flotte. Ihr Untergang bedeutete das Ende strategischer Operationen von deutschen Schlachtschiffen im Atlantik, da solche Einheiten gegen die kombinierte See- und Luftmacht Großbritanniens keine Chance mehr besaßen.
 
Durch den japanischen Überfall auf den amerikanischen Pazifikstützpunkt Pearl Habor  im Dezember 1941 entwickelte sich der europäische Konflikt zum Weltkrieg. Der Überraschungsangriff von Kampffliegern eines japanischen Flugzeugträgerverbandes fügte der US-Flotte erhebliche Verluste zu. Dennoch: Japans seestrategische Konzeption blieb auf die Entscheidungsschlacht mit großen Schlachtflotten ausgerichtet.
 
Die über 62.000 Tonnen schwere und mit neun 45 cm-Geschützen ausgestatte „Yamato“ war das größte je gebaute Schlachtschiff. Am 07. April 1945 versenkten amerikanische Flugzeuge das japanische Super-Großkampfschiff im Ostchinesischen Meer. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Schlachtschiffe gegen Flugzeuge und Flugzeugträger chancenlos waren, er wurde mit dieser Tragödie geliefert.

57 – Nachkriegszeit

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerfiel das Zweckbündnis, das die Siegermächte gegen das nationalsozialistische Deutschland einte.
 
Vier Jahrzehnte lang standen sich die Flotten der USA und der Sowjetunion in einem Szenario des Kalten Krieges zwischen zwei Militärbündnissen gegenüber.
 
Die USA investierten in den Ausbau ihrer mobilen Trägerkampfgruppen. Gleichzeitig modernisierten sie ihre schiffbautechnische, flugzeugtechnische und elektronische Kriegsführung. Die Sowjetunion verstärkte vor allem ihre U-Boot-Flotte und versuchte in elektronischer Kampfführung mit den NATO-Staaten mitzuhalten.
 
Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes zu Beginn der 1990er Jahre fand der Kalte Krieg auf gewaltlosem Wege seinen Abschluss. Das quantitative Wettrüsten zwischen den beiden Supermächten und ihren Machtblöcken war beendet.
 
Die Rüstungsschwerpunkte verschoben sich international in Richtung eines qualitativen Ausbaus von Schiffbauten und Waffensystemen, wobei ein zwischenstaatliches oder bündnispolitisches Bedrohungsszenario heute jedoch fehlt.  
 
Für moderne Überwasserkriegsschiffe gilt es, so lange wie möglich vor der Erfassung durch gegnerische Radar- oder Infrarotgeräte verborgen zu bleiben. Seit den 1980er Jahren nutzt man sogenannte Tarnkappen- bzw. Stealthtechnologien. Bei Stealth-Schiffen sind klare Konturen kaum noch vorhanden. Die klassischen Schiffsaufbauten beschränken sich auf glatte, geneigte Flächen und kubenähnliche Strukturen. Die Signaturen eines Schiffes wie etwa warme Abgasfahnen reduzieren sich auf ein Minimum.

57.2 – Marinen des Kalten Krieges

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerfiel das Zweckbündnis, das die Siegermächte gegen das nationalsozialistische Deutschland einte.
 
Vier Jahrzehnte lang standen sich die Flotten der USA und der Sowjetunion nun in einem Szenario des Kalten Krieges zwischen zwei Militärbündnissen gegenüber.
 
Die USA investierten in den Ausbau ihrer mobilen Trägerkampfgruppen. Gleichzeitig modernisierten sie ihre schiffbautechnische, flugzeugtechnische und elektronische Kriegsführung. Die Sowjetunion verstärkte vor allem ihre U-Boot Flotte und versuchte in elektronischer Kampfführung mit den NATO-Staaten mitzuhalten.
 
Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes zu Beginn der 1990er Jahre fand der Kalte Krieg auf gewaltlosem Wege seinen Abschluss. Das quantitative Wettrüsten zwischen den beiden Supermächten und ihren Machtblöcken war beendet.

58 – Marineflieger

Als „Marineflieger“ bezeichnet man bemannte Militärluftfahrzeuge, die unter dem Kommando von Seestreitkräften stehen. In dieser Abteilung widmen wir uns der militärischen Verwendung von Motorflugzeugen über See seit ihrer Entwicklung im Jahre 1903. Denn kaum konnte der Mensch fliegen, nutzte er das Flugzeug als Waffe und versuchte, diese Waffe auch von Schiffen aus einzusetzen, um die Reichweite der winzigen Flugzeuge über den riesigen Ozeanen zu erhöhen. Der zaghafte Beginn lag im Ersten Weltkrieg, während der beiden Jahrzehnte danach stießen vermehrt Flugzeugträger zu den Flotten, also Schiffe, deren Hauptwaffe das Radflugzeug war. Während des Zweiten Weltkriegs reifte das System Flugzeugträger bei jenen Seemächten wie den USA, Großbritannien und Japan zu voller Wirksamkeit, die über weiten Seegebieten operierten. Flugzeugträger wurden zu Hauptkampfschiffen der Flotte, da ihre fliegenden Verbände jedem Schiff Schaden zufügen und aus den Weiten der Ozeane plötzlich und überall zuschlagen konnten.
Der Bau von Flugzeugträgern folgte militärischen Einsatzerfordernissen und taktischen Präferenzen. Während die Vereinigten Staaten im 2. Weltkrieg den „carrier“ als Kern eines eigenständig operierenden Verbandes („Task Group“) verwendeten, diente er etwa in Großbritannien und auch in Japan zur Unterstützung der Schlachtflotte. Verschiedene Flugzeugtypen erfüllten dabei Anforderungen wie Aufklärung, Angriff und Jagdschutz. Marineflieger werden auch weiterhin eine ganz entscheidende Rolle dabei spielen, Seemacht zu erlangen und zu verteidigen. Denn heute drängen neue Seemächte wie etwa China und Indien darauf, Flugzeugträger zu besitzen.

59 – “Stealth”

Nach dem Ende des Wettrüstens zwischen den Machtblöcken in West und Ost während des Kalten Krieges verschoben sich Rüstungsschwerpunkte Richtung eines qualitativen Ausbaus von Schiffbauten und Waffensystemen.
 
Für moderne Überwasserkriegsschiffe gilt es, so lange als möglich vor der Erfassung durch gegnerische Radar- oder Infrarotgeräte verborgen zu bleiben. Seit den 1980er Jahren nutzt man sogenannte Tarnkappen- bzw. Stealthtechnologien. Die klassischen Schiffsaufbauten beschränken sich auf glatte, geneigte Flächen und kubenähnliche Strukturen. Die Wärmesignatur eines Schiffes wie etwa Abgasfahnen reduzieren sich auf ein Minimum.
 
Stealth-Technologie ist teuer, auch und gerade die führenden Seemächte sind seit der Wirtschaftskrise von 2008 zunehmend in finanziellen Nöten. So kann es nicht wundernehmen, dass ehrgeizige Rüstungsprogramme wie die Schiffe der amerikanischen „Zumwalt“-Klasse von geplanten 30 Einheiten bei einem Preis von mehreren Milliarden Dollar pro Schiff auf nur mehr drei zusammengestrichen wurden.
 
Das erneute Aufflammen eines Kalten Krieges zwischen der NATO und Russland im Rahmen der Ukraine- und Syrienkrise ist deshalb eine zusätzliche Belastung für alle.