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Deck 8 – Kunstsammlung: Marinemalerei und Schatzkammer

Audioguide zu Deck 8: Marinemalerei und Schatzkammer

Internationales Maritimes museum Hamburg, Deck 8, Marinemalerei und Schatzkammer. Bianca Floss restauriert marine Malerei auf Deck 8 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg am Europäischen Tag der Restaurierung.

80 – Einfürung: Deck 8, Marinemalerei und Schatzkammer

Die Weite des Meeres, seine Rätsel und Mysterien inspirieren Künstler seit alters her. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die maritime Marinemalerei als eigenständige Gattung der Landschaftsmalerei. Der Ausgangspunkt der Kunstrichtung lag in den Niederlanden, deren wirtschaftliche und politische Entwicklung stark von der Seefahrt  abhing.
 
Die Darstellungen von Schiffen, Häfen und Küstenlandschaften legen Zeugnis ab von den Verhältnissen ihrer Entstehungszeit. Nicht selten zeigen die Gemälde historische Ereignisse. Auch dokumentieren sie wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa auf dem Gebiet des Schiffbaus. Die Marinemaler gelten als Chronisten ihrer Epoche.
 
Das Internationale Maritime Museum Hamburg präsentiert auf diesem Ausstellungsdeck Gemälde aus über 400 Jahren maritimer Kunstgeschichte. Gezeigt werden Werke der niederländischen, britischen, skandinavischen, russischen und deutschen Marinemalerei.
 
An der Stirnseite des Stockwerks hat unsere Schatzkammer ihren Platz gefunden. In dem stimmungsvollen Raum entdecken Sie  Schiffsmodelle aus Elfenbein, Bernstein, Silber und Gold. Auch die berühmten Knochenschiffe sind dort zu sehen.
 
Unser Rundgang beginnt bei der niederländischen Marinemalerei. Die nächste Station finden Sie direkt hinter der Treppe.

81 – Niederlande

Anfang des 17. Jahrhunderts konzentrierten sich niederländische Marinemaler auf die Darstellung von Seeschlachten, berühmten Schiffen und Handelsflotten. Schiffe symbolisierten Wohlstand, Nationalstolz und die Macht des Staates.
 
Später folgte eine Entwicklung, die eine größere Aufmerksamkeit für Atmosphärisches in den Mittelpunkt rückte. Das Schiff stand nun weniger im Zentrum der Betrachtung. Es wurde zu einem Teil der Gesamtszenerie. Statt der Dokumentation von historischen oder politischen Ereignissen, überwogen jetzt Illustrationen von Himmel, Meer und Landschaft.
 
Reiseeindrücke, die viele Maler auf Fahrten durch Italien gesammelt hatten, lieferten neue Impulse. Ein südliches Licht- und Farbenspiel prägte die Darstellung niederländischer Landschaften.  
 
Andere Motive waren beeinflusst von den zerklüfteten Landschaften Skandinaviens. Die Kraft der unberührten Natur inspirierte beispielsweise den Maler Allaert van Everdingen. Eines seiner Werke sehen Sie in dieser Ausstellung.
 
Mit Ausbruch des ersten Englisch-Niederländischen Seekrieges im Jahre 1652 erlebte das Schlachtenbild eine Renaissance.
 
Die ältesten Bilder der Sammlung stammen von Jan Porcellis. Der Maler lebte von 1580 bis 1632 und war bereits zu Lebzeiten ein geschätzter Künstler. Sogar sein berühmter Malerkollege Rembrandt besaß einige Werke von ihm.

82 – Van de Velde

Willem van de Velde der Jüngere und sein Vater Willem van de Velde der Ältere zählen zu den berühmtesten Marinemalern des 17. Jahrhunderts.
Aus finanziellen Gründen zogen die Künstler im Jahre 1672 von Amsterdam nach London, um für das englische Königshaus zu arbeiten. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Holland, Frankreich und England hatten in ihrer Heimat zu einer Wirtschaftskrise geführt.
Willem van de Velde der Ältere gilt als einer der ersten Seekriegsberichterstatter. Als Augenzeuge war er am Ort der Kampfhandlungen. Nach seiner Übersiedlung fertigte er im Auftrage der Engländer Zeichnungen von Seegefechten an, die sich gegen die Flotte seines Heimatlandes richteten.
Die Skizzen dienten als Vorlage für spätere Bilder. Es war die Aufgabe des Sohnes, die Zeichnungen des Vaters in Gemälde umzusetzen. Beide Künstler arbeiteten im gemeinsamen Atelier eng zusammen. In Stil und Technik war van de Velde der Jüngere wegweisend für nachfolgende Künstlergenerationen. Seine perfekten Kompositionen zeigen den Begründer der englischen Marinemalerei als einen Meister der Perspektive.
Direkt neben diesem Gemälde hängt ein Bild von Cornelis van de Velde. Er trat als Maler in die Fußstapfen von Vater und Großvater.
Eine Zeichnung von Wilhelm van de Velde dem Älteren finden Sie ebenfalls in dieser Ausstellung.

83 – Frankreich / Russland   

Die französische Marinemalerei ist durch Schiffsportraits der Künstlerfamilie Roux vertreten. Gleich drei Generationen waren im 19. Jahrhundert damit beschäftigt, die zarten Aquarelle anzufertigen. Neben Joseph Roux und seinem Sohn Ange-Joseph Antoine, gehörten dessen Kinder Mathieu-Antoine, Francois Joseph Frederic und Francoise Geoffroi zu den Künstlern der Familie.
 
Bemerkenswert sind die Einzelheiten der Arbeiten. Neben landschaftlichen Feinheiten, lassen sich auch technische Details gut erkennen. Die Werke zählen zur Gattung der Kapitänsbilder. Darunter versteht man dokumentarische Schiffsdarstellungen, die meist vom Kapitän  in Auftrag gegeben wurden.
 
In ihrer Werkstatt in Marseille entwarf und baute die Familie Roux auch nautische Instrumente. Ferner brachten sie Seekarten heraus.
 
Beachten Sie bitte auch das kleine Gemälde an der Seitenwand. Es stammt von Hermine Gudin – einer der wenigen Marinemalerinnen.
 
An der gegenüberliegenden Wand sehen Sie Bilder des russischen Marinemalers Iwan Konstantinowitsch Ajwasowskij. Der 1817 geborene und 1900 gestorbene Künstler hinterließ über 4000 Gemälde. Bereits zu Lebzeiten waren seine stimmungsvollen Bilder international in mehr als 100 Ausstellungen zu sehen. Ajwasowskij gilt als Bewunderer des berühmten britischen Malers und Vertreters der Romantik William Turner.

84 – England, Teil 1: Serres und Dawson

Diese Abteilung widmet sich der britischen Marinemalerei.
 
Im ersten Schaukasten begegnen wir dem französisch stämmigen Künstler Dominic Serres. Weil er mit den Zukunftsplänen, die seine wohlhabenden Eltern für ihn hatten, nicht einverstanden war, riss Serres als junger Mann von zuhause aus und gelangte über Spanien nach England.  In seiner neuen Heimat wurde er zum erfolgreichsten Maler des Siebenjährigen Krieges und des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. König George III ernannte ihn zu seinem Königlichen Marinemaler.
 
Zusammen mit seinem Sohn John Thomas verfasste Serres das erste Handbuch zur Technik der Marinemalerei. Eines der seltenen Originale ist hier ausgestellt. Bilder von Serres und seinem Sohn sehen Sie an der gegenüberliegenden Wand.
 
Ein Stückchen weiter entdecken Sie Bilder aus allen Schaffensperioden des Künstlers Montague Dawson. Der Offizier der Royal Navy machte nach seinem Ausscheiden aus der Armee die Malerei zu seiner Hauptbeschäftigung. Dawsons künstlerisches Lieblingsthema war der Klipper, dessen Schönheit und Eleganz ihn faszinierte.

85 – England, Teil 2: Mason und Luny

Das imposante Gemälde von Barry Mason trägt den Titel „The White Ship“ – das weiße Schiff.
 
In einem Text auf der Rückseite des Bildes hat der 1947 geborene Künstler sein Werk selbst beschrieben:
 
„Ein Londoner Dock kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Auf einem stählernen Rahsegler hängen die Segel zum Trocknen. Er soll an seinem Liegeplatz verholt werden. Die Schlepper stehen bereit. Um das Schiff herum geht das Laden und Löschen der Fahrzeuge weiter.“
 
Der auf dem Gemälde überall sichtbare Rost steht als Symbol für Vergänglichkeit und für wehmütige Romantik. Das Segelschiff erinnert an die große Zeit der Windjammer, die Anfang des 20. Jahrhunderts allmählich endete.
 
Beeindruckend auch das Werk von Thomas Luny an der gegenüberliegenden Wand hinter der Treppe. Der 1759 in Cornwall geborene Maler litt unter starker Arthritis. Trotzdem hinterließ er ein Werk von annähernd 3000 Gemälden. Zu seinen bevorzugten Motiven gehörten Schiffsportraits und Seeschlachten.

86 – Skizzenbuch Kittoe

Am 02. April 1801 fand vor Kopenhagen eine Seeschlacht statt. Die britische Flotte kämpfte gegen die dänische Seestreitmacht. An Deck des Flaggschiffes „Elephant“ von Admiral Nelson saß der Marinemaler Robinson Kittoe. Während um ihn herum die Schlacht tobte, hielt er das Kampfgeschehen in Skizzen fest. Kittoe war beauftragt als Kriegsberichterstatter Zeichnungen anzufertigen. Nach seinen Vorlagen entstanden später große Gemälde und Grafiken des legendären Seegefechts.
 
Vor Ihnen ausgebreitet liegt das Originalbuch, dass Kittoe damals mit seinen Skizzen füllte. Der kolorierte Kupferstich „Battle of Copenhagen“ von Nicholas Pocock basiert auf Kittoes Zeichnungen.
 
Bis heute hat sich die Tradition der malenden Kriegschronisten fortgesetzt. Die Briten beschäftigten noch während des Falklands-Krieges im Jahre 1982 Marinemaler. Auch in Frankreich gibt es bis heute insgesamt 40 „Peintres Offciels de la Marine“ –offizielle Maler der Marine.
 
Nicht nur kriegerische Ereignisse wurden auf Gemälden festgehalten. Die Arbeit der Marinemaler dokumentiert auch viel Spezifisches über Schiffbau und Schiffstypen.

87 – Deutschland: Holst und Achenbach

Der Ausstellungsbereich mit deutscher Marinemalerei beginnt mit einem Höhepunkt der Sammlung.
 
Dieses schlicht „Seestück“ betitelte Werk malte der Hamburger Künstler Johannes Holst im Jahre 1913. Es zeigt eine Darstellung des stürmischen Atlantiks. Der 1880 auf der Elbinsel Altenwerder geborene Marinemaler gilt als einer der einflussreichsten Künstler seiner Zunft. Charakteristisch für die Werke von Johannes Holst ist deren beeindruckende Detailtreue. Die wirklichkeitsnahe Wiedergabe eines stürmischen, wolkenverhangenen Himmels gehörte zu den Markenzeichen des Malers.
 
Allgemeine Anerkennung fand die deutsche Marinemalerei erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Auslöser der Popularität war die Marinebegeisterung von Kaiser Wilhelm II.  
 
Auf der Längsseite hinter dem Treppenhaus sind zwei Gemälde von Andreas Achenbach ausgestellt. Der 1815 geborene Künstler ist ein bedeutender Vertreter der Düsseldorfer Schule. Obwohl er sich nicht ausschließlich der Marinemalerei widmete, gehörte er in Deutschland doch zu den Pionieren des Genres. Achenbach hinterließ eine fast unüberschaubare Anzahl von Strand- und Küstenbildern.
 
Eine deutlich modernere Auffassung von Marinemalerei vertrat der Expressionist und Mitbegründer der Künstlergruppe „Die Brücke“ Karl Schmidt-Rottluff. Sie sehen sein Bild am Eingang zur Schatzkammer. Während eines Besuchs auf der dänischen Insel Alsen entdeckte der 1884 geborene Künstler das Meer als künstlerisches Motiv. In der Zeit der Nationalsozialisten galten die Bilder von Schmidt-Rottluff als „entartet“.

88 – Schatzkammer: Santa María

Das Goldmodell der „Santa Maria“ im Eingangsbereich der Schatzkammer ist unbestritten ein Highlight der Sammlung. Die „Santa Maria“ war das Flaggschiff von Christoph Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492.

Im Auftrag der spanischen Krone suchte Kolumbus den kürzesten westlichen Seeweg nach Indien. Bei seiner Fahrt landete der legendäre Seefahrer jedoch irrtümlich auf den Karibischen Inseln vor dem amerikanischen Kontinent. Zeit seines Lebens blieb Kolumbus davon überzeugt, in Indien vor Anker gegangen zu sein. Das 1992 gebaute Modell ist das einzige Schiffsmodell der Welt, das aus Edelmetallen in der authentischen Spanten- und Plankenbauweise hergestellt wurde. Verwendet wurden verschiedene Goldlegierungen sowie Platin für Teile des  Tauwerks.

89 – Schatzkammer: Knochenschiffe

Die als „Prisoner Of War Models“ bekannten Knochenschiffe entstanden während der Koalitions- und Napoleonischen Kriege zwischen 1792 und 1815. Erbaut wurden die Modelle hauptsächlich von französischen Kriegsgefangenen. In diesem Raum findet sich die größte private Knochenschiffsammlung der Welt.
 
Unter extremen Bedingungen lebten die Gefangenen auf abgetakelten Segelschiffen – den sogenannten Hulks – vor der Südküste Englands.  Die Modelle fertigten sie aus getrockneten und gebleichten Rinder- und Hammelknochen ihrer Essensrationen. Genutzt wurden die kleinen Kunstwerke als Tauschobjekte, vermutlich um die Essenszuteilungen aufzubessern.
 
Ein besonderes Modell ist das aus gedunkelten Walknochen gefertigte Knochenschiff „Chesapeake“. Die amerikanische Fregatte wurde im Juni 1813 gekapert. Der Kapitän fand während des Gefechts den Tod, die Mannschaft kam in Gefangenschaft. Während der Zeit der Internierung fertigten die Seeleute das historisch exakte Abbild der „Chesapeake“ für die Witwe des Kapitäns. Das Modell ist vermutlich das größte je gebaute Knochenschiff.

(Video) Die Knochenschiffe erklärt von Manfred Stein

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