IMMH

Sonderausstellung

FLUCHT ÜBERS MEER
von Troja bis Lampedusa

Sonderausstellung: 5. Juni 2019 – 2. Februar 2020

Ausstellungskurator Dr. Erik Lindner erklärt im Interview “Flucht übers Meer – von Troja bis Lampedusa”.

Flucht übers Meer – das ist ein stetes Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Weltweit retten sich Menschen aufs Wasser, um in eine bessere Welt zu gelangen, seit Jahrtausenden schon. Sie lassen dabei ihre Habe und Angehörige zurück. Häufig riskieren sie ihr Leben. Ihre Motive sind akute Gefahr, wirtschaftliche Not, religiöse und ethnische Diskriminierung, Entkommen aus der Diktatur. Sie hoffen auf Freiheit und persönliches Glück. Viele kommen im Land ihrer Sehnsucht an und finden Hilfe und Raum zur Entfaltung. Doch Abertausende werden aufgehalten oder sterben gar auf See, sei es im Krieg oder im Frieden. Dramatische Ereignisse, große menschliche Leistungen und schreckliche Tragödien – all das ist mit der Flucht übers Meer verbunden.

In den vergangenen Jahren hat sich die Flucht übers Meer – vor allem in der Ägäis und vor der nordwestafrikanischen Küste – zu einem Drama entwickelt, das die bisher bekannten Dimensionen sprengt. Die Rettung aus Seenot, das uralte Gebot der Menschlichkeit, erfordert große Anstrengungen der europäischen Staatengemeinschaft. Auch private Hilfsorganisationen bergen Menschen aus den Booten. Die gegenwärtigen Fluchtbewegungen, übers Wasser und über Land, werden unsere Gesellschaft weiter in Atem halten. Wie begegnen wir dem Geschehen? Für welche Flüchtende hegen wir Empathie und welchen begegnen wir mit Distanz?

Flucht übers Meer ist ein ernstes und bewegendes Menschheitsthema. Das Internationale Maritime Museum Hamburg widmet sich ihm mit einer Sonderausstellung.

Flucht übers Meer in der Geschichte

Der römische Dichter Vergil setzte mit seiner 29-19 v. Christus verfassten Aeneis-Sage der Flucht aus Troja ein literarisches Denkmal: Der mythischen Geschichte zufolge floh Aeneas mit zahlreichen Getreuen auf Schiffen nach dem Untergang seiner Heimatstadt. Sein Weg übers Meer führte ihn und die Trojaner von der östlichen Ägäis über Nordafrika bis Mittelitalien, wo sie eine Stadt gründeten, die in die Entstehungsgeschichte Roms eingebunden werden sollte. Neben dem legendären Gehalt dieser aus der Antike stammenden Dichtung gibt es einen Kern, der auf frappierende Weise zeitlos wirkt: Aeneas verliert seine Frau, doch mit seinem Sohn und dem gebrechlichen Vater, den er auf seinen Schultern trägt, gelangt er in Sicherheit. – Hier flüchtet eine Familie vor Krieg und Zerstörung. Sie wagt sich aufs Meer, um nach langer, gefahrvoller Zeit des Herumirrens und der Opfer ein neues Leben beginnen zu können. Die Aeneis-Sage liest sich wie eine Blaupause späterer Fluchtschicksale, sei es aus Europa, Asien oder Amerika.

Aus der DDR-Diktatur flüchteten Einzelne oder Paare in winzigen Sportbooten über die Ostsee, über die Lübecker Bucht in die Bundesrepublik oder nach Gedser, dem südlichsten Punkt Dänemarks. Fast 1 Million Menschen verließen nach dem Sieg des Kommunismus ihre Heimat im Süden Vietnams, zumeist in Fischerbooten, um sich in eine bessere Welt zu retten. An die 200.000 Kubaner flüchteten mit Booten und Flößen Richtung Florida. Das Aufsehen, das diese wagemutig-verzweifelten Aktionen hervorriefen, bot stets Anlass für Berichterstattung in den Medien. Zeitungen und Fernsehsender verbreiteten Nachrichten über diese teils spektakulären Ereignisse und die damit verbundenen menschlichen Schicksale. Vor allem Bilder von Geflüchteten, sei es in überfüllten Booten, sei es als Gerettete, die von Helfern betreut oder von Polizisten in den Häfen in Empfang genommen wurden, prägten sich ins kollektive Gedächtnis ein.

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Weitere Informationen:

Die Sonderausstellung ist vom 5. Juni 2019 bis zum 2. Februar 2020 auf Deck 1 des Internationalen Maritimen Museums zu sehen und im Eintrittspreis enthalten.