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Sonderausstellung

ALBERT BALLIN: Vater, Unternehmer, Visionär

9. November 2018 – 30 April 2019

Albert Ballin Sonderausstellung Ausstellung Vater Unternehmer Visionär Internationales Maritimes Museum Hamburg

9. November 1918

Am 9. November 1918, kurz nach 14.00 Uhr, rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags in Berlin die Deutsche Republik aus. Das seit 1871 bestehende Kaiserreich war damit vergangen; eine reichsweite Revolutionsbewegung von Soldaten und Arbeitern hatte die Monarchien in Deutschland gestürzt. Am nächsten Tag fuhr Kaiser Wilhelm II. von seinem Hauptquartier im belgischen Spa per Sonderzug nach Holland ins Exil. Am 11. November beendete ein Waffenstillstand den Ersten Weltkrieg.

Ebenfalls am 9. November, um 13.15 Uhr, war in Hamburg der Generaldirektor der „Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“, Albert Ballin, an einer Medikamentenvergiftung verstorben. Er war 61 Jahre alt. Die persönliche Geschichte des Sohnes aus armem jüdischem Hause der Hansestadt glich der Entwicklung des Kaiserreichs bis 1918. Als Albert Ballin 1857 geboren wurde, hatte der Aufstieg der noch nicht geeinten Nation gerade erst begonnen. Als Ballin 1899 zum Generaldirektor der Hapag ernannt wird, sollte er, aufgrund seiner rastlosen und ehrgeizigen Tätigkeit, bald der größten Reederei der Welt vorstehen, und Deutschland war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Zenit seiner Entfaltung als Wirtschaftsnation und Macht.

In dieser zunehmenden Konkurrenzsituation zur Weltmacht England nahm Ballin eine Schlüsselstellung der Vermittlung auf höchster Ebene ein. Ohne die Verständigung mit England war insbesondere das weltumspannende Schifffahrtsnetz der Hapag unmöglich. Dieses wurde in London vielleicht noch mehr mit Argwohn betrachtet als die Kaiserliche Marine des Staatssekretärs Alfred von Tirpitz. Allein in dieser Vermittlungsrolle sollte Albert Ballin jedoch scheitern. Auch sein nahezu freundschaftliches Verhältnis zu Kaiser Wilhelm II., der oft privat bei dem großbürgerlichen jüdischen Kaufmann in Hamburg zu Besuch weilte, hat das Unheil nicht aufzuhalten vermocht.

Albert Ballin war ein treusorgender Familienvater. Neben seiner Frau Marianne war ihm die Adoptivtochter Irmgard, spätere Bielfeld, das Liebste. Auch war er ein vollendeter Gastgeber. Die Déjeuners und Diners im Haus in der Hamburger Feldbrunnenstraße 58 waren legendär. Der Krieg machte Allem ein Ende. Zur Tragik des Todes Albert Ballins kam, dass seine Tochter wenige Wochen nach ihm an der Spanischen Grippe erkrankte und im Alter von 27 Jahren starb. Sie hinterließ drei Kinder.

Der Nachlass Albert Ballins

Der private Nachlass Albert Ballins wurde, was bislang kaum jemand wusste, 100 Jahre in Österreich aufbewahrt. Zunächst gelangte er 1944 heimlich –  er gehörte ja einem verstorbenen jüdischen Bürger – per Güterzug von Hamburg nach Innsbruck, wo er bis 1987 auf dem Dachboden einer Kapelle lagerte. Er war das Eigentum von Ursula Hueber, einer Enkelin Albert Ballins. Nach dem Tode beider Eheleute Hueber gelangten die Nachlassobjekte und Dokumente als Vermächtnis anteilig an deren Söhne.

Der Nachlass besteht aus Möbeln, Gemälden, Schmuck, Tafelzubehör und Dokumenten, wobei letztere erst jetzt eingehend gesichtet wurden. Die Objekte und Dokumente sind einzigartig. Sie werden hier in Auswahl zum ersten Male überhaupt in der Öffentlichkeit gezeigt. Ihre Präsentation im Rahmen dieser Sonderausstellung ist somit eine gegenständliche Hommage an den Menschen und Privatmann Albert Ballin.

Das Internationale Maritime Museum Hamburg ist den Eheleuten Ingrid und Heinz Hueber zu größtem Dank verpflichtet, diese Objekte zeigen zu dürfen.

Mehr Dazu:

Albert Ballin – Vater

Albert Ballin – Unternehmer

Die Sonderausstellung ist vom 9. November 2018 bis zum April 2019 auf Deck 1 des Internationalen Maritimen Museums zu sehen und im Eintrittspreis enthalten.

 

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