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Deck 2 – Mit dem Wind um die Welt: Schiffe unter Segeln

Guide zu Deck 2: Schiffe unter Segeln

Deck 2 " des Internationalen Maritimen Museum Hamburg "Mit dem Wind um die Welt: Schiffe unter Segeln"

20 – Einführung: Deck 2, Schiffe unter Segeln

Mit dem Wind um die Welt – das Ausstellungsdeck 2 beschäftigt sich mit der Geschichte der Seefahrt unter Segeln. Über Jahrtausende bestimmten die Naturkräfte wie schnell ein Schiff sein Ziel erreichte.

Einige der ältesten Zeugnisse der Seefahrt stammen aus dem alten Ägypten. In Fels gemeißelte Schiffsdarstellungen dokumentieren, dass schon um 3000 vor Christus besegelte Wasserfahrzeuge existiert haben. Die Wanderung der Polynesier begann vermutlich schon vor 35.000 Jahren.

Die Ausstellung zeichnet die Geschichte des Segelns nach. Drachenboote der Wikinger finden sich ebenso wie die Koggen der Hansezeit. Neben den Fregatten der großen Seefahrernationen treffen Sie auf Modelle der letzten kommerziellen Segelschiffe – den legendären Windjammern. Eine eigene Abteilung gehört den Piraten, die bis heute als Schrecken der Meere unterwegs sind.

Im Lichthof schwebt stolz das Modell der „Wapen von Hamburg III“. Das kanonenbestückte Konvoischiff lief 1722 vom Stapel. Es hatte die Aufgabe, Schiffkonvois von Hamburg ins Mittelmeer zu begleiten. Ein Zusammenschluss von Kaufleuten finanzierte zur damaligen Zeit Kriegsschiffe, die die Hamburger Handelsflotte gegen Piratenüberfälle schützen sollten. Die „Wapen von Hamburg III“ fuhr bis 1737 unter Hamburger Flagge. Nach ihrem Verkauf wurde sie zum Frachtschiff umgebaut.

Unser Rundgang über Deck 2 beginnt links hinter der Treppe.

(Video) Kuratorenführung mit Gerrit Menzel:

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21 – Seefahrt im Altertum

Der Bootsbau und die Nutzbarmachung des Windes gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Die Seefahrer der europäischen Antike waren ebenso geschickte Segler wie die Völker Polynesiens, die schon in dieser Zeit die Inselwelten des Pazifiks erreichten.

Bereits einige Jahrhunderte vor Christus bauten die Schiffskonstrukteure der Polynesier besegelte Doppelrumpfkanus. Mit ihrer Hilfe gelang es, tausende Kilometer auf See zurückzulegen.

Die Polynesier fertigten ihre hochseetüchtigen Doppelrumpfkanus aus ausgehöhlten Baumstämmen. Aufgrund der besonderen Konstruktion neigten sich die Kanus weniger stark im Wind als Boote mit nur einem Rumpf. Auch die Segelfläche nutzten die Schiffe so besser aus. Navigation und Entdeckungen erfolgten über die Beobachtung von Meer, Himmel und Gestirnen. Zusätzlich besaßen die Polynesier Seekarten, die sie aus Holzstäbchen und Muscheln fertigten.

Auch der europäische Raum verfügt über eine lange Seefahrertradition. Bereits im 2. Jahrtausend vor Christus stachen die Minoer von Kreta aus in See. Die minoischen Seefahrer liefen zur Zeit der Antike fast alle Häfen im östlichen Mittelmeer an.
Später eroberten auch Phönizier und Griechen die Meere. Beide Völker gründeten im gesamten Mittelmeerraum Handelsniederlassungen. Die Herrschaft über die Seewege sicherte auch die Dominanz beim Handel.

In der Zeit der römischen Kaiser stand der Mittelmeerraum jahrhundertelang unter der alleinigen Herrschaft des römischen Reiches. Das Mittelmeer entwickelte sich zum wichtigsten Verbindungsweg innerhalb ihres Imperiums.

22 – Mittelalter

Die Hanse war zunächst ein Zusammenschluss von Kaufleuten. Vorrangig vertrat die mittelalterliche Organisation die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Auch der Schutz der Kaufleute auf Handelsreisen war Aufgabe der Verbindung.

Ab dem 14. Jahrhundert bestimmte die Hanse weite Teile des nordeuropäischen Rohstoff- und Lebensmittelhandels. Wohlhabende Kaufleute besetzten zu jener Zeit wichtige politische Ämter in den Städten. Dies hatte zur Folge, dass sich die ursprüngliche Kaufmannsorganisation zu einem Städtebündnis wandelte.

Seit dem 12. Jahrhundert nutzte die Hanse Koggen für den Warentransport auf See. Das Ladevolumen der größten Schiffe belief sich auf bis zu 200 Tonnen. Durch ihre bauchige Konstruktion erwies sich die Kogge als ideales Transportmittel. Eine Kogge verfügte über einen Mast und ein Rahsegel.

Für spätere Schiffstypen verwendete die Hanse die sogenannte Kraweelbauweise. Bei der aus dem Mittelmeerraum stammenden Technik wurden die Schiffsplanken nicht wie bisher überlappend aneinandergesetzt. Das Zusammenfügen Kante auf Kante und der Bau auf Spant ermöglichten größere Schiffsrümpfe. Ein großer Kraweel konnte bis zu vier Masten haben.

Zu den herausragenden Seefahrern des Mittelalters zählen die Skandinavier. Der Begriff Wikinger steht für „Seekrieger auf langer Fahrt“. Aus ihrer skandinavischen Heimat segelten die Nordmänner bis nach Island und Grönland. Dort siedelten sie sich dauerhaft an. Im Jahre 1001 gelang dem Entdecker Leif Erikson sogar die Landung in Amerika.

Für ihre weiten Fahrten nutzten die skandinavischen Seefahrer hochseetüchtige, klinkerbeplankte Handelsschiffe – die sogenannten Knorren. Bug und Heck der teilweise über 30 Meter langen Boote waren hochgeschwungen.

23 – Frühe Seefahrt

Die erste Dynastie des vereinten chinesischen Kaiserreiches ist als Qin-Dynastie bekannt. Zwischen 221 und 207 v. Chr. waren alle sieben Teilreiche erstmals unter einer Zentralregierung zusammengefasst. Bereits zu dieser Zeit segelten chinesische Seeleute entlang der Küsten des Gelben Meeres.

Feste Schiffsrouten sind aus dem China des ersten Jahrhunderts nach Christus belegt. Zu späterer Zeit entwickelte sich ein ausgedehnter Seehandel von und nach China. Arabische Kaufleute gründeten im 12. Jahrhundert Handelsniederlassungen im asiatischen Raum. Die Handelsaktivitäten erreichten am Ende der Yuan-Dynastie im Jahre 1368 ihren Höhepunkt. Wirtschaftliches und kulturelles Handelszentrum war die südchinesische Stadt Quanzhou.

Zwischen 1405 und 1422 segelte eine gewaltige chinesische Flotte mehrfach in diplomatischer Mission nach Arabien und Ostafrika. Die riesigen Flaggschiffe der Armada trugen bis zu neun Masten und waren mit luxuriösen Kabinen und Festsälen ausgestattet. Die junge Ming-Dynastie war sendungsbewusst und wollte Eindruck machen.

In Europa begann im 15. Jahrhundert das Zeitalter der Entdecker. Für exotische Waren aus Indien und Ostasien wurden zur damaligen Zeit hohe Preise und Zölle verlangt. Um die fernen Märkte zu erschließen, machten sich portugiesische und spanische Entdecker auf, den Seeweg nach Indien zu suchen. 1498 landete der Portugiese Vasco da Gama schließlich im südindischen Calicut. Eine neue Ära begann.

Für ihre Entdeckungsfahrten nutzen die Europäer zunächst Karavellen. Die schnellen Segelschiffe waren wendig und hatten nur geringen Tiefgang. Im 16. Jahrhundert löste die geräumigere und schwerer bewaffnete Galeone die Karavelle ab.

24 – Seemächte

Mit England und den vereinigten Niederlanden entstanden im 17. Jahrhundert neue Machtzentren in Nordeuropa.

Um neue Einkommensquellen zu erschließen, orientierten sich die Niederlande in Richtung Asien. Schon bald befehligten sie ein weit verzweigtes Kolonialreich und entwickelten sich zu Europas führender Handelsnation.

Durch wachsenden Reichtum und steigende Macht gerieten die Niederlande in Konflikt mit England. In drei Seekriegen kämpften beide Staaten um die Vorherrschaft. Militärisch hielten die Niederlande zunächst stand. Doch im 18. Jahrhundert war England ökonomisch und militärisch endgültig stärker.

Der Überseehandel mit exotischen Waren wurde in dieser Zeit immer wichtiger. Machtvolle Handelskompagnien wurden gegründet, denen ihre Regierungen weitgehende Privilegien einräumten. Sie besaßen exklusive Handelsrechte und durften eigenständig Kriege erklären und führen. Die Handelskompagnien realisierten den ersten Welthandel der Geschichte.
Ein dunkles Kapitel beim Ausbau des europäischen Seehandels schrieb der Sklavenhandel. Dieses Unrecht ist eine der großen Tragödien der Geschichte.

Exkurs: Leben an Bord
am Beispiel einer 40 Kanonen Fregatte der Royal Navy, 1768


25 – England Vs. Frankreich

Im 18. Jahrhundert stieg England zur führenden Seemacht auf. Mehr und mehr entwickelte sich Frankreich zum Hauptrivalen der Briten. Schon Ende des 17. Jahrhunderts galt Frankreich als zweitgrößte Seemacht.

Zur Konkurrenz im Welthandel kamen mit der Französischen Revolution auch ideologische Unterschiede hinzu.

Alle Versuche der Franzosen, die britische Vorherrschaft auf See zu beenden, liefen ins Leere. In der berühmten Schlacht von Trafalgar vom Oktober 1805 errang die britische Flotte unter dem Kommando von Admiral Horatio Nelson einen bedeutenden Sieg über die alliierten französisch-spanischen Kräfte. Frankreichs Niederlage sicherte langfristig Englands Vorherrschaft auf See. Napoleons Pläne für eine Invasion Englands waren mit der verlorenen Schlacht endgültig gescheitert.

Entscheidenden Anteil am Sieg Englands hatte Admiral Horatio Nelson. In seinen Schlachten erwies sich Nelson mehrfach als genialer Taktiker. Der 1758 geborene Admiral begann seine Marinekarriere im Jahre 1771. Nelsons legendäre Seeschlachten brachten ihm in seiner britischen Heimat dauerhaften Ruhm ein. In der Schlacht von Trafalgar kam Admiral Nelson ums Leben.
Ein Seefahrer, der auf einem Segelschiff ohne Hilfe von Motorkraft Kap Hoorn umrundet, konnte in die Bruderschaft der Cap Horniers aufgenommen werden.
Kap Hoorn ist die südlichste Spitze Südamerikas. Aufgrund seiner extremen Wetterverhältnisse gilt das Seegebiet um das Kap als gefährlichste Schifffahrtsstraße der Welt.

Bis zum Jahre 1914 war die Strecke eine wichtige Verbindung für die Frachtschifffahrt. Insbesondere Rohstoffe aus Chile verschiffte man um Kap Hoorn nach Europa. Mit der Inbetriebnahme des Panama-Kanals verlor die Route an Bedeutung.

Eine Fahrt um Kap Hoorn kann zeitaufwändig sein. Die schnellste Ost-West-Umrundung mit einem Segelschiff gelang 1938 in 5 Tagen und 14 Stunden. Mit ganzen 99 Tagen war das Hamburger Vollschiff „Susanna“ im Winter 1905 am längsten unterwegs.

Bis zum Jahr 2003 existierte die Bruderschaft der Cap Horniers. Die weltweite Vereinigung gründete sich 1937 in der französischen Ortschaft St. Malo. Vorrangiges Ziel der exklusiven Gesellschaft war die Kameradschaftspflege unter Seeleuten, die die besondere Erfahrung einer Kap-Hoorn-Umsegelung miteinander teilten.

Als ihr Symbol wählte die Bruderschaft den Albatros. Der Albatros ist ein Seevogel, der lediglich zum Brüten ans Land kommt. Die Seeleute fühlten sich dem Albatros besonders verbunden. Einem alten Glauben zufolge, nehmen die Seelen auf See gebliebener Kameraden die Gestalt des eleganten Seevogels an.

Heute leben nur noch wenige Cap Horniers. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt ging die Zeit der großen Segelschiffe Anfang des 20. Jahrhunderts endgültig zu Ende.

– Windjammer:

– Schulschiffe:

27 – Piraten

Unzählige Bücher und Filme haben Piraten als mythische Gestalten beschrieben. Nicht selten verbinden wir in unserer Fantasie das Seeräuberleben mit einer romantischen Vorstellung von Freiheit und Abenteuer. Der Pirat ist Bösewicht und Held zugleich. Die Wirklichkeit indes sieht anders aus.

Von jeher sind Piratenüberfälle eine brutale Angelegenheit. Es wird geplündert, gefoltert und gemordet. Meist reicht schon der Anblick der Piratenflagge aus, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Handelsrouten sind auffallend stark von Piraterie bedroht. Streckenabschnitte, die durch Meeresengen oder Inselgruppen führen, erweisen sich oft als gefährlich.

Das Internationale Seerecht und die Verbreitung der Dampfschifffahrt setzten der Piraterie zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein vorläufiges Ende. In heutiger Zeit stellt das Piratentum wieder eine erhebliche eine Bedrohung dar. Als besonders brenzlig gelten einzelne Küstenabschnitte in Ostafrika und Südostasien.

Mit modernster Technik ausgerüstet, bringen heutige Piraten auch große Containerschiffe und Yachten in ihre Gewalt. Erst gegen Zahlung hoher Lösegelder
geben die Seeräuber Schiff und Mannschaft wieder frei.

In früherer Zeit unterschied man zwischen Piraten und Kaperfahrern. Bis ins 19. Jahrhundert stellten Regierungen privaten Schiffseignern sogenannte Kaperbriefe aus. Diese Urkunden erlaubten den Überfall von Schiffen feindlicher Nationen. Der Kaperfahrer war eine Art Staatspirat. Er handelte im offiziellen Auftrag seines Landes.


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