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Deck 1 – Die Entdeckung der Welt: Navigation und Kommunikation

Audioguide zu Deck 1: Navigation und Kommunikation

Das Thema Navigation und Kommunikation Auf See wird haupsächlich auf Deck 1 des Internationalen Maritimen Museum Hamburg behandelt.

10 – Einführung: Deck 1, Navigation und Kommunikation

Der Mensch ist bestrebt Neues zu erfahren und Unbekanntes zu erforschen. Die Weite des Ozeans steht sinnbildlich für die menschlichen Sehnsüchte.

Das Ausstellungsdeck 1 beschäftigt sich mit Navigation und Kommunikation auf See.
Eigens für das Museum angefertigte Büsten erinnern an die Fahrten der großen Entdecker. Historische Seekarten und Globen legen Zeugnis von der Weltsicht der jeweiligen Epoche ab.
Bei der Erforschung der sieben Weltmeere spielte die Weiterentwicklung der Navigation eine entscheidende Rolle. In unserer Ausstellung verdeutlichen Kompasse, Sextanten, Morsegeräte und Signalbücher wie Seefahrer die Orientierung behielten und kommunizierten.
Heute setzt die Seefahrt auf modernste Technik. Sie erfahren in der Ausstellung alles Wissenswerte über Radar-, Echolot- und GPS-Systeme.

Die Stirnseite des Stockwerks ist für Kinder reserviert. Im „Schwimmenden Klassenzimmer“ halten wir Spiele, Bücher und Bastelsachen für junge Entdecker bereit. Auch befindet sich dort die „Queen Mary 2“ – gebaut aus fast einer Million Legosteinen.

Gleich daneben pflegen Fachleute in unser Modellbauwerkstatt kostbare Museumsobjekte. Sie sind herzlich eingeladen den Mitarbeitern über die Schulter zu schauen. Natürlich beantwortet man dort auch gerne Ihre Fragen.

11 – Das alte Wissen

Seit alters her befahren Menschen die Meere. Gerät das Land außer Sichtweite, muss der Seefahrer seine aktuelle Position und die bestmögliche Fahrtroute bestimmen können. Entscheidend für die Navigation waren im Altertum vor allem Naturbeobachtungen. Sonne und Sterne wiesen den Seefahrern den Weg. Wer Position und Bewegung der Gestirne kannte, war in der Lage sich auf See zu orientieren.

Die ältesten Darstellungen zeigen die Erde als Scheibe, aber bereits in der Antike glaubten Gelehrte wie Aristoteles, Platon und Pythagoras, dass unser Planet eine Kugel ist. Als ein Indiz für die Annahme galt die Beobachtung des Polarsterns. Die Position dieses Fixsterns scheint sich für den Betrachter je nach Aufenthaltsort zu verändern. Auch ein Segelschiff liefert einen Hinweis für die Erdkrümmung: Von einem sich nähernden Schiff sieht man zunächst das Segel und erst später den Rumpf.

Die wissenschaftliche Kartographie geht zurück auf den griechischen Astronomen und Mathematiker Claudius Ptolemäus. Er lebte und wirkte im zweiten Jahrhundert nach Christus im ägyptischen Alexandria. Ptolemäus sah die Erde als Zentrum des Weltalls. Alle anderen Gestirne drehten sich nach seiner Auffassung um diesen Mittelpunkt. Auch Ptolemäus nahm an, dass die Erde eine Kugel ist.

Auf der Ptolemäischen Weltkarte ist die Erde bereits mit einem Netz von Längen- und Breitengraden überzogen. Sie enthält einen Äquator und zwei Wendekreise. Die Karte ist ein früher Versuch, die Erdkrümmung auf eine ebene Fläche zu übertragen.

In späteren Jahrhunderten entwickelten sich Mathematik und Beobachtungstechniken vor allem in der arabischen Welt weiter. Von dort wurde das antike Wissen in den europäischen Raum getragen. Die Ptolemäische Weltkarte lieferte die Grundlage für die Seekarten des 15. Jahrhunderts.

An der linken Raumseite weist die Ausstellung auf die Epoche der großen Entdecker hin.

12 – Anfänge der Navigation I

Der Begriff Navigation umschreibt die Methoden, mit deren Hilfe man auf See Richtung und Position bestimmt. Im Altertum orientierten sich Seefahrer vornehmlich an markanten Landmarken oder dem Stand der Gestirne. Dieser Ausstellungsbereich beschäftigt sich mit den Anfängen der Navigation.

Die Schiffsgeschwindigkeit misst das Log. Ein frühes Handlog ist ein an einer Leine befestigtes, bleibeschwertes Holzstück. Die Leine ist mit Knoten versehen. Wirft man das Log über Bord, bleibt das Holzstück auf einer Stelle auf dem Wasser liegen. Mit Hilfe einer Sanduhr stellt man fest, wie viele Knoten in einer bestimmten Zeit vom Seil abgelaufen sind. Noch heute wird die Geschwindigkeit eines Schiffes in Knoten angegeben.

Die Tiefenmessung erfolgt durch das Lot. Das einfache Handlot besteht aus einer Messleine, an deren Ende ein Bleigewicht hängt. In die Lotleine sind in regelmäßigen Abständen Markierungen eingearbeitet. Lässt man das Lot in flacheres Wasser gleiten, zeigen die Marken die Wassertiefe an. Füllt man den Bleikörper des Handlots mit Talg, bleiben Bodenpartikel daran kleben. Auf diese Weise erhält man Informationen über die Beschaffenheit des Meeresgrundes.

Der Kompass gibt dem Seefahrer die Richtung an. Die drehbare Kompassnadel richtet sich am Magnetfeld der Erde aus. Sie zeigt beständig Richtung Norden. Eine Ausnahme bildet der Kreiselkompass, der sich an der Erdrotation orientiert. Stolz ist unser Museum auf die reichverzierten Kronenkompasse. Sie hingen unter der Decke der Kapitänskajüte und ermöglichten den Kurs auch liegend zu verfolgen. Da das Instrument von unten abgelesen wurde, sind Ost und West auf der Kompassrose vertauscht.

13 – Anfänge der Navigation II

Zu den ältesten Navigationshilfen zählen Winkelmessinstrumente wie das Astrolabium, der Davis-Quadrant oder der Jacobstab. Mit ihrer Hilfe ermittelten frühe Seefahrer ihren Weg entlang eines Breitengrades. Winkelinstrumente halfen den Höhenwinkel zwischen Polarstern und Horizont zu berechnen.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts konnten selbst erfahrene Kapitäne ihre Position auf hoher See nur schätzen. Der exakte Standort lässt sich erst in Erfahrung bringen, wenn neben der geographischen Breite auch die geographische Länge bekannt ist.

Die Bestimmung des Längengrades erwies sich als deutlich schwieriger als die Ermittlung des Breitengrades. Durchgesetzt haben sich die Überlegungen von John Harrison. Der englische Uhrmacher ersann in den 1720er Jahren eine Methode,
mit der sich die eigene Position über einen fest definierten Längengrad – dem sogenannten Nullmeridian – ermitteln ließ. Harrison entwickelte den Chronometer. Es handelt sich dabei um eine Räderuhr, die auf die Zeit eines Bezugsortes eingestellt ist. In der Regel ist dies Greenwich bei London. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, wird die Zeitdifferenz zum höchsten Sonnenstand an diesem Bezugsort festgestellt. Aus der Differenz beider Zeiten lässt sich der Längengrad ermitteln.

14 – Ortung und Navigation

Zur Standortbestimmung von Schiffen verwendet man heute elektronische Verfahren.
Satellitengestützte GPS-Systeme ermitteln zeit- und witterungsunabhängig Position, Kurs und Entfernung zum Ziel.

Die Abkürzung „GPS“ steht für „Global Positioning Systems“. Im zivilen Bereich findet heute ein vom US-Verteidigungsministerium entwickeltes System Anwendung. Insgesamt umkreisen 24 Satelliten fortwährend die Erde. Das GPS-Gerät an Bord eines Schiffes berechnet aus den empfangenen Daten die Entfernung zum Satelliten. Durch den Abgleich mit zwei weiteren Satelliten ergibt sich die eigene Position. Eine ständige Neuberechnung ermittelt die Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit.

Die Geschichte des Radars geht bis ins Jahr 1904 zurück. Eine Radarpeilung misst die Richtung und Entfernung zu Landmarken, Seezeichen oder Schiffen. Radaranlagen verfügen über Drehantennen, die elektromagnetische Radiowellen aussenden. Sobald die Impulse auf einen Gegenstand stoßen, werden sie reflektiert und zurückgesandt. Dies alles geschieht in Lichtgeschwindigkeit. Aus den empfangenen Signalen ergibt sich der Abstand zu einem Objekt.

Mit Hilfe eines Echolots lässt sich die Wassertiefe ermitteln. Echolote senden kurze Schall- oder Ultraschallimpulse aus. Die Geräte messen die Zeit, die das Signal benötigt, um als Echo zum Schiff zurückzukehren. Der Widerhall entsteht, wenn der Impuls auf einen anderen Gegenstand trifft. Dies kann zum Beispiel der Meeresboden oder ein Fischschwarm sein.

15 – Kommunikation

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es von Land aus keine Nachrichtenverbindung zu Schiffen auf See. Lediglich mit Fahrzeugen in Sichtweite war ein Kontakt über Licht-, Rauch-, Böller- und Flaggensignale möglich. Erst die Funktechnik half, die Weiten der Ozeane zu überbrücken.

Über kurze Distanzen lassen sich Nachrichten durch Signalflaggen austauschen. Jeder Buchstabe und jede Zahl wird durch eine eigene Flagge beschrieben. Einige Meldungen gibt man auch über festgelegte Sondersignale aus bis zu drei Buchstaben ab. Das Winkeralphabet macht eine Ausnahme: Es beschreibt ein Zeichen mit zwei identischen Flaggen. Unterschiedliche Flaggenstellungen zeigen die Buchstaben an.

Eine internationale Basis für die Kommunikation auf See schuf erst das vom „British Board of Trade“ im Jahre 1857 herausgegebene Signalbuch. Die heute gültige Fassung beinhaltet knapp 500.000 Signale.

Im Jahre 1901 gelang die erste Funkverbindung über den Atlantik. Die technische Innovation hat die Kommunikation grundlegend revolutioniert. Durch die Funktechnik war es erstmals möglich, mit Schiffen außer Sichtweite Kontakt aufzunehmen. Mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen lassen sich Informationen über große Distanzen übermitteln.

16 – Kartographie

Kartographie ist die Kunst, unsere Erde oder einzelne Landstriche auf Karten und Globen darzustellen.

Die gewölbte Erdoberfläche verzerrungsfrei auf eine ebene Unterlage zu übertragen, ist jedoch nicht möglich. Nach einer Lösung suchten Kartographen viele Jahrhunderte lang.
Für die exakte Navigation auf See benötigen Seefahrer winkeltreue Karten. Erstmals fertigte der Mathematiker und Geograph Gerhard Mercator im Jahre 1569 eine solche Karte an. Ausgehend vom Äquator vergrößerte Mercator auf seinem Plan die Breitengrade in Richtung der Pole. Das Prinzip erlaubte es Navigatoren, weit auseinander liegende Ziele durch gerade Linien miteinander zu verbinden: Die Linien schneiden die Längengrade immer im gleichen Winkel. Mercators geniale Überlegung ermöglichte erstmals eine kompassgesteuerte Kurseintragung.

Bis zum heutigen Tage nutzen Navigatoren die unter dem Begriff „Mercator-Projektion“ bekanntgewordene winkeltreue Kartenprojektion.

17 – Terrestrische Navigation

Die früheste Schifffahrt erfolgte zumeist entlang der Küsten. Orientierung boten Berge, Baumgruppen und später Gebäude. Markante Punkte hielt man als sogenannte „Vertoonungen“ in Seehandbüchern fest.

Um sich im Küstenbereich zurechtzufinden, dienten Tonnen und Steintürme als Orientierungshilfe. Diese festen Seezeichen bezeichnet man als „Baken“. Leuchttürme und Feuerschiffe setzte man in der Nacht als Navigationshilfe ein.
Bis zum heutigen Tage sind Leuchttürme unentbehrlich für die Schifffahrt. Auch Richtfeuer finden weiterhin Verwendung. Ein Richtfeuer besteht aus einem Unterfeuer und einem weiter hinten aufgestellten Oberfeuer. Sieht man von Bord aus beide Signale in einer Linie, befindet sich das Schiff auf Kurs.

Die Geschichte der Leuchttürme geht bis ins 3. Jahrhundert vor Christus zurück. Bereits zur Zeit des Römischen Reiches standen an den Küsten des Mittelmeerraumes einige Dutzend Leuchttürme.

Besonders bekannt ist der an der Wesermündung befindliche Leuchtturm „Roter Sand“. Der charakteristische Turm steht als Symbol für die Auswanderungswellen des späten 19. Jahrhunderts. Für viele Auswanderer war „Roter Sand“ das letzte, was sie von ihrer Heimat sahen.

Der Leuchtturm „Faro de Punta del Hidalgo“ befindet sich auf Teneriffa in Spanien. Er gilt als architektonisch besonders gelungenes Beispiel für den modernen Seezeichenbau.

18 – Schiffsführungssimulator

Auf Deck 1 finden Sie auch unseren Schiffsführungssimulator. Auf der Brücke der „Tokyo Express“ übernehmen Sie das Ruder! Steuern Sie die Häfen von Rotterdam, Singapur und Hamburg an Bord eines Containerschiffes an. Unter den fachkundigen Augen unserer Kapitäne können Sie ein 300 Meter langes Großcontainerschiff durch verschiedene Reviere steuern. Regelmäßig finden öffentliche Fahrten statt. Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.