IMMH

14. November 2017

Mein Schiff 3 legt im Museum an

Die besondere Beziehung zwischen dem Kreuzfahrtunternehmen TUI Cruises und dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg wird ab jetzt auf Deck 6 der Dauerausstellung prominent gewürdigt.

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Glänzend neu auf Deck 6.

Die „Mein Schiff 3“ hat insgesamt 15 Decks, 5 mehr als das Internationale Maritime Museum Hamburg. Was der Kreuzfahrt-riese auch hat, ist ein Museum an Bord. In der Ausstellung „Meerleben“ können die Passagiere seit Inbetriebnahme der „Mein Schiff 3“ Wissenswertes zum Thema Meeresforschung und 3.000 Jahre Schifffahrtsgeschichte erfahren. Kommt Ihnen das bekannt vor? Könnte sein, denn die Ausstellung enstand in Zusammenarbeit zwischen TUI Cruises, dem KDM (Konsortium Deutsche Meeresforschung) und eben dem IMMH. Im Museum ist man besonders stolz, nicht nur sein Wissen, sondern auch wertvolle Exponate aus der Sammlung von Prof. Peter Tamm für dieses weltweit einzigartige Projekt beigesteuert zu haben.

Mein Schiff 3 als Werftmodell

Eigentlich ist der Kreuzfahrtriese längst in der Dauerausstellung auf Deck 9 vertreten, allerdings nur als Miniatur im Maßstab 1:1250. Umso mehr freut sich das IMMH Team über das neue Modell der „Mein Schiff 3“ im Maßstab 1:200. Bei dem Nachbau handelt es sich nicht um irgendein Modell des Schiffes, sondern um das 2013 mit viel Liebe zum Detail und nach den Originalbauplänen gefertigte Werftmodell. Es wurde 2013 von der finnischen Firma Modelko im Zusammenarbeit mit der Werft STX in Turku hergestellt. Zu erkennen sind u. a. die bauliche Struktur einer höheren Anzahl an Balkonkabinen oder Details wie der mit 25 m Länge größte Außenpool an Bord eines Schiffes überhaupt.

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Die Ausstellung „Meerleben“.

Die „Mein Schiff 3“ ist ab sofort im Kreuzfahrtbereich des Museums auf Deck 6 ausgestellt. Wir bedanken uns bei TUI Cruises für dieses großartige Modell.

29. Oktober 2017

Die Restauratorin auf Deck 8

Neues Highlight im Maritimen Museum: „Gläserne Werkstatt“ der Restauratorin Bianca Floss auf Deck 8.

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Restauratorin Bianca Floss auf Deck 8.

Haben Sie schon einmal gesehen, wie ein Gemälde restauriert wird? Wahrscheinlich nicht. Restauratoren arbeiten in der Regel hinter den verschlossenen Türen ihrer Werkstätten. Das Internationale Maritime Museum geht jetzt einen neuen Weg: In der Gemäldegalerie auf Deck 8 eröffnete die Diplom-Restauratorin Bianca Floss ihre „gläserne Werkstatt“.

 

Pinsel stehen ordentlich sortiert in hohen Gefäßen, Schraubgläser mit Pigmenten reihen sich hinter den gläsernen Türen eines Regalschrankes. Über dem Arbeitstisch eine große Tageslichtlampe, seitlich ein Stereomikroskop und auf einem kleinen Rollwagen neben dem Tisch ein Heizspachtel. Weiter hinten ein gesicherter Schrank für die Lösungsmittel, auf dem Bord darüber die Laborwage – alles, was einem bei einem ersten, schnellen Rundblick durch die kleine Werkstatt ins Auge fällt.

Die Restauratorin „live“ erleben

Gerade beugt sich Bianca Floss über ein „Kapitänsbild“, das ihr die Mitarbeiter des Archivs zur Begutachtung gebracht haben. „Auguste Johanne gef. von Kapitän Biehl 1866“ hat der Künstler unten in das Bild geschrieben. Das Gemälde hat gelitten, das sieht auch ein Laie. Den wahren Zustand seines Seins aber, erkennt nur der fachkundige Blick der Restauratorin. Mit einer Lupenbrille „scannt“ sie gewissenhaft die Leinwand, prüft mit einem kleinen Stäbchen die Malschicht. „Stark verputzt“, sagt sie. Verputzt? „Ja, die oberen Farbschichten sind abgerieben, weil irgendwer dieses Bild wahrscheinlich früher einmal zu stark gereinigt hat.“ Sie schaut weiter. Zentimeter für Zentimeter konzentrierte Stille. Das gemalte Meer, das Schiff und der Himmel – vergilbt, verfärbt und, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, stellenweise winzige Löcher in der Leinwand.

 

Über 5.000 Gemälde, Grafiken und Aquarelle umfasst  die Sammlung Peter Tamm. Marinemalerei aus fünf Jahrhunderten. Gezeigt werden unter anderem Werke von Jan Porcellis, Willem van der Velde, Lyonel Feiniger und Karl Schmidt-Rottluff. Sie sind in einem guten Zustand und zeigen auf beeindruckende Weise die Entwicklung der Marinemalerei. Im Depot des Museums aber gibt es sie, die Bilder-Patienten, die auf Rettung warten.

 

Begutachten, restaurieren, konservieren. Das braucht neben Fachwissen und handwerklichem Können vor allem Geduld. Manchmal arbeitet Bianca Floss einen ganzen Tag an nur einem Quadratzentimeter eines Bildes, manchmal braucht es Jahre bis ein Gemälde restauriert ist wie zum Beispiel während ihrer Projektarbeit an einem lebensgroßen Portrait Philipp Melanchthons von Lukas Cranach d.J. aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, welches stark beschädigt auf einem Dachboden gefunden worden war.

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Die Werkzeuge stehen parat.

Glücklicherweise sind nicht alle Bilder in einem so desolaten Zustand. Der Arbeitsprozess bei einem jedem Bild ist aber gleich. Nach der intensiven Begutachtung und Analyse muss ein detailliertes Konzept für die Restaurierung erstellt werden. In jedes Bild muss sich die Restauratorin hineinversetzen, ja man könnte sagen, sie muss das Wesen des Gemäldes verstehen, seine Seele erfassen, um es im Sinne des Künstlers wieder zu neuem Leben zu erwecken. Naturwissenschaftliches Wissen und Materialkunde sind dabei genauso wichtig wie die Kenntnis der Kunstgeschichte und handwerkliches Können. Je nach Zustand des Gemäldes folgen dann verschiedene Arbeitsschritte, ganz wichtig aber ist am Ende eine vollständige Dokumentation, denn Gemälde leben länger als wir und wer weiß, was ihnen noch alles widerfährt. Auch in 50 oder 100 Jahren muss jeder Schritt der Restaurierung nachvollziehbar sein, für den Fall, dass ein Bild irgendwann einmal erneut behandelt werden muss.

Ab jetzt auf Deck 8

Im Kaispeicher B können die Besucher jetzt sehen, wie Gemälde restauriert werden. Bianca Floss arbeitet dort als selbständige Restauratorin, das heißt sie hat ihre Werkstatt zwar im Maritimen Museum, wird aber nicht nur Bilder aus der Sammlung Peter Tamm restaurieren, sondern weiterhin auch externe Aufträge annehmen. Nach ihrem Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, arbeitete sie unter anderem für die Stiftung Historische Museen Hamburg, für das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Mehr Infos unter: www.floss-restaurierung.de